- Conferences Overview
- Gesundheit gestalten
- Was passiert da jetzt eigentlich mit meiner Schwester? Perspektiven und Haltungen von An- und Zugehörigen von Menschen mit Psychoseerfahrung
Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Was passiert da jetzt eigentlich mit meiner Schwester? Perspektiven und Haltungen von An- und Zugehörigen von Menschen mit Psychoseerfahrung
Text
Hintergrund: Die Forschung hat gezeigt, dass neben der Abwägung von Nutzen und Risiken auch die Angst vor Stigmatisierung die Entscheidung von Menschen mit Psychoseerfahrung über die Verwendung oder Nicht-Verwendung von Antipsychotika beeinflusst. Sie sind in diesem Zusammenhang potenziell mit zwei verschiedenen Arten der Stigmatisierung konfrontiert, einerseits, wenn sie sich für Antipsychotika entscheiden, andererseits, wenn sie diese nicht verwenden, absetzen oder reduzieren wollen. Bei dieser Entscheidungsfindung spielen auch An- und Zugehörige eine große Rolle.
Zielsetzung: Die vorliegende Studie zielt darauf ab, u. a. die Haltung der Angehörigen und mögliche Stigmatisierungen zu erfassen. Gleichzeitig wird der Einfluss des (Selbst-)Stigmas auf die Entscheidung von Menschen mit Psychoseerfahrung für oder gegen die Verwendung von Antipsychotika untersucht. Das Ziel ist, die Kommunikation über die Verwendung von Antipsychotika zu verbessern und so zu einer informierten Entscheidung von Menschen mit Psychoseerfahrung beizutragen.
Material & Methoden: EASTMED ist eine partizipative sequentielle Mixed-Methods-Studie, die seit Januar 2026 an zwei Studienstandorten durchgeführt wird. In Fokusgruppen mit den jeweiligen Stakeholdern (Menschen mit Psychoseerfahrung, An- und Zugehörige, Psychiater:innen) werden derzeit die Unterschiede innerhalb einer Gruppe sowie zwischen den Gruppen untersucht. Darauf aufbauend wird ein Fragebogen entwickelt, der das öffentliche Stigma sowie das Selbststigma bezüglich der Verwendung und Nicht-Verwendung von Antipsychotika erfassen soll.
Erste Ergebnisse: In diesem Vortrag soll es um die Perspektive und Bedürfnisse sowie Haltungen der An- und Zugehörigen gehen, die qualitativ inhaltsanalytisch nach Kuckartz ausgewertet wurden. An- und Zugehörige tragen „eine große Last“ und werden gleichzeitig „nicht genug eingebunden“. Es werden exemplarisch Zitate vorgestellt und näher beleuchtet. Außerdem teilt die Vortragende, die als Peer Researcher selbst Psychoseerfahrung sowie Einblick in die Situation ihrer eigenen An- und Zugehörigen hat, ihre Erfahrungen.
Diskussion: An- und Zugehörige spielen eine wichtige Rolle im Behandlungs- und Genesungsprozess der Menschen mit Psychoseerfahrung. Innerhalb dieses Rahmens haben sie eigene Bedürfnisse und Unterstützungsbedarfe. Es ist wichtig, dieser Gruppe mehr Aufmerksamkeit zuteilwerden zu lassen, um ihr gerecht zu werden und ihr Potenzial als Teil des Recovery-Prozesses auszuschöpfen.
Take Home Message für die Praxis: An- und Zugehörige äußern den dringlichen Wunsch, nicht nur verstärkt, sondern überhaupt in die Behandlung miteinbezogen zu werden, da sie oft einen großen Teil der Care-Arbeit leisten und gleichzeitig vom Hilfesystem wenig einbezogen werden.
Interessenkonflikte: Keine



