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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Kontextevaluation als Grundlage partizipativer Programmentwicklung: Substanzkonsum und Präventionsbedarfe Studierender

Marlene Muehlmann - Universität Greifswald, Institut für Psychologie, Greifswald, Deutschland
Samuel Tomczyk - Universitätsmedizin Rostock, Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Rostock, Deutschland; Universität Greifswald, Institut für Psychologie, Greifswald, Deutschland

Text

Hintergrund: Unter Studierenden ist insbesondere der Konsum von Alkohol und Cannabis weit verbreitet und auch die Teillegalisierung von Cannabis stellt präventive Ansätze vor neue Herausforderungen. Das Präventionsprogramm ReStudy zielt auf die Förderung der Risikokompetenz von Studierenden u. a. im Umgang mit Alkohol und Cannabis ab und wurde auf Basis eines evidenzbasierten Programms für Schüler:innen (REBOUND) unter Beteiligung von Studierenden partizipativ adaptiert.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel der Kontextevaluation war die Untersuchung substanzbezogener Bedarfe hinsichtlich präventiver Maßnahmen im Setting Hochschule, um eine empirische Grundlage für die zielgruppenspezifische Programmadaption zu schaffen.

Material & Methoden: Die Kontextevaluation bildete die erste Phase des Context-Input-Process-Product-Modells (Zhang, 2011) und ist Bestandteil eines umfassenden Evaluationsvorhabens. Es wurden N=30 teilstrukturierte, leitfadengestützte Interviews (n=15 als Einzelinterviews, n=15 als Fokusgruppe) mit Studierenden durchgeführt. Die Auswertung erfolgte anhand der qualitativen Inhaltsanalyse (Kuckartz & Rädiker, 2024).

Ergebnisse: Die Ergebnisse gliedern sich in zwei Ebenen: die Zielgruppenanalyse (Konsummuster und -gründe, Kenntnisse über Substanzen, Veränderung in Bezug auf die Teillegalisierung) sowie die Programmebene (Barrieren der Teilnahme, positive Teilnahmefaktoren, Kontexte). Dabei erfolgte eine substanzspezifische Differenzierung nach Alkohol, Cannabis und weiteren Substanzen. Auf Programmebene wurden als institutionelle Barrieren insbesondere die geringe Bekanntheit bestehender Beratungsangebote, Stigmatisierungsbefürchtungen sowie Vorbehalte gegenüber universitätsnahen Ansprechpartner:innen benannt. Als programminterne Barrieren beschrieben die Befragten moralisierende, abstinenzorientierte und wenig alltagsnahe Präventionsformate. Gewünscht wurden demgegenüber niedrigschwellige, vertrauliche, substanzspezifisch differenzierte und frühzeitig im Studienverlauf sichtbare Angebote.

Diskussion: Die Befunde verdeutlichen die Notwendigkeit eines zielgruppenspezifischen Ansatzes, der studentische Lebenswelten, substanzspezifische Risikoprofile und institutionelle Zugangsbarrieren berücksichtigt. Die partizipative Einbindung von Studierenden stärkte dabei die Passgenauigkeit der Programmadaption.

Take Home Message für die Praxis: Partizipative Kontextevaluation liefert zentrale Hinweise zu Bedarfen, Zugangsbarrieren und Gestaltungsanforderungen studentischer Prävention und bildet damit die Grundlage einer passgenauen Programmadaption.

Interessenkonflikte: Keine