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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Elterliche Dringlichkeitseinschätzung und stationäre Aufnahme in pädiatrischen Notaufnahmen – Pilot-Analyse (EDCareKids)

Angela Ulrich - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Susanne Drynda - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Public Health in der Akutmedizin, Magdeburg, Deutschland
Denis Martin Schewe - Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Pädiatrische Onkologie und Hämatologie der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Dresden, Deutschland
Maya Marinic - LMU Klinikum, Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital, Deutschland
Denise Peters - Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Deutschland
Anja Pöhler - Klinikum Stuttgart, Stuttgart, Deutschland
Andreas Heidenreich - Evangelisches Klinikum Bethel, Notaufnahme Kinderzentrum, Deutschland
Jacqueline Bauer - Klinikum Wolfsburg, Klinik Kinder- und Jugendmedizin und Psychosomatik, Wolfsburg, Deutschland
Enno Swart - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Ruben Ulbrich - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Die Nutzung pädiatrischer Notaufnahmen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Die Entscheidung, die Notaufnahme aufzusuchen, liegt meist bei den Eltern; ihre subjektive Einschätzung der Dringlichkeit spielt dabei eine zentrale Rolle. Im Innovationsfonds-Projekt EDCareKids (01VSF23042) wird die Versorgungsrealität der Patient:innen in der Kindernotaufnahme untersucht. Ein prospektiv angelegtes Teilprojekt befragt multizentrisch Patient:innen und Angehörige zu den Motiven der Inanspruchnahme sowie zu wahrgenommenen Optimierungspotenzialen der Versorgung.

Zielsetzung/Fragestellung: Explorativ wird eine mögliche Assoziation zwischen elterlicher Dringlichkeitseinschätzung und stationärer Aufnahme untersucht, um Hinweise auf deren Plausibilität zu erhalten.

Material & Methoden: Für die vorläufige Analyse wurden Elternbefragungen aus 16 deutschen Kindernotaufnahmen herangezogen (N = 2.476 Fälle, Erhebungszeitraum 04/2025–06/2026, Stand März 2026). Nach dem Ausschluss von Fällen mit fehlenden Angaben zur Dringlichkeit oder zur Disposition nach der Notaufnahme (Aufnahme / ambulante Entlassung; n = 599) standen n = 1.877 Fälle zur Verfügung. Kreuztabellen sowie ein univariates logistisches Regressionsmodell wurde erstellt.

Ergebnisse: In der Stichprobe waren 56% 0–5 J, 29% 6–11 J und 15% 12–17 J. Die Dringlichkeit wurde von 33% mit „nicht dringend/normal“, 43% mit „dringend“ und 25% mit „sehr dringend/sofort“ angegeben. 23% wurden stationär aufgenommen, 77% ambulant entlassen.

Zwischen der Dringlichkeitseinschätzung und der stationären Aufnahme bestand ein signifikanter, jedoch schwacher Zusammenhang (χ²-Test, p < 0,001; Cramér’s V = 0,123). Im univariaten logistischen Modell (Referenz = „nicht dringend“/„normal“) ergab sich eine signifikant erhöhte OR von 1,6 für „dringend“ [95%-KI = 1,2;2,1] und 2,9 für „sehr dringend“/„sofort“ [95%-KI = 2,2;3,9].

Diskussion: In der vorliegenden Stichprobe zeigt sich eine signifikante, jedoch schwache Assoziation zwischen der elterlichen Dringlichkeitseinschätzung und der stationären Aufnahme. Die vorgestellten Analysen basieren auf univariaten Modellen. Um den unabhängigen Effekt der elterlichen Dringlichkeit valide zu quantifizieren, ist eine multivariable Adjustierung unter Einbezug von Alter und weiteren Parametern erforderlich.

Take Home Message für die Praxis: Die elterliche Dringlichkeitseinschätzung zeigt eine signifikante, jedoch schwache Assoziation mit der stationären Aufnahme und sollte nur im Kontext weiterer klinischer Parameter interpretiert werden.

Interessenkonflikte: Keine