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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Barrieren und Förderfaktoren einer sicheren Arzneimitteltherapie bei Multimedikation aus Sicht von Stakeholdern und Patient:innen: eine qualitative Studie im Rahmen der Interventionsentwicklung zur Prävention von unerwünschten Arzneimittelereignissen

Kerstin Melissa Bernartz - Universität Bielefeld, Medizinische Fakultät: AG Allgemein- und Familienmedizin, Bielefeld, Deutschland
Stephanie Picker-Huchzermeyer - Universität Bielefeld, Medizinische Fakultät: AG Allgemein- und Familienmedizin, Bielefeld, Deutschland
Svenja Claaßen - Universität Bielefeld, Medizinische Fakultät: AG Allgemein- und Familienmedizin, Bielefeld, Deutschland
Tobias Dreischulte - LMU München, Institut für Allgemeinmedizin, München, Deutschland
Marjan van den Akker - Universität Bielefeld, Medizinische Fakultät: AG Allgemein- und Familienmedizin, Bielefeld, Deutschland
Christiane Muth - Universität Bielefeld, Medizinische Fakultät: AG Allgemein- und Familienmedizin, Bielefeld, Deutschland
Svetlana Puzhko - Universität Bielefeld, Medizinische Fakultät: AG Allgemein- und Familienmedizin, Bielefeld, Deutschland

Text

Hintergrund: Multimedikation und potenziell inadäquate Medikation erhöhen bei älteren, multimorbiden Patient:innen das Risiko für unerwünschte Arzneimittelereignisse (UAE) und Hospitalisierungen. Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS)-Interventionen lassen sich jedoch oft nur schwer in den hausärztlichen Praxisalltag übertragen. Die Entwicklung umsetzbarer Interventionen erfordert ein fundiertes Verständnis der Perspektiven von Patient:innen und Gesundheitsfachpersonen, um Implementierungsbarrieren und die für eine erfolgreiche Umsetzung notwendigen Verhaltensänderungen zu identifizieren.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel ist die Identifikation von Barrieren und Förderfaktoren der Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der AMTS bei Patient:innen mit hohem UAE-Risiko (Herzinsuffizienz, gastrointestinale Blutungen, Frakturen).

Material & Methoden: Qualitative Interviews mit Gesundheitsfachpersonen wurden anhand eines Interviewleitfadens durchgeführt, Die Fragen waren mit dem COM-B-Modell (Motivation, Gelegenheit, Fähigkeit) verknüpft und bezogen sich auf die Umsetzbarkeit der evidenzbasierten Interventionskomponenten im Alltag von Hausarztpraxen. Die Interventionskomponenten wurden den Teilnehmenden im Rahmen eines vorab durchgeführten Workshops vorgestellt. Es wurden 12 Gesundheitsfachpersonen ((Haus)-Ärzt:innen, Apotheker:innen und Patient:innen) befragt. Die transkribierten Interviews wurden mittels qualitativer Analyse in Anlehnung an das Rapid Analysis Framework (Mathieson et al., 2024) ausgewertet.

Ergebnisse: Die Analyse identifizierte zentrale Barrieren und Förderfaktoren auf systemischer, und individueller Ebene. Barrieren der Gelegenheit umfassten fragmentierte sektorenübergreifende Kommunikation sowie fehlende praktische Tools zur Risikoidentifikation und zum Shared Decision Making. Auf Praxisebene könnte die Delegation der initialen Medikationsüberprüfung an geschulte MFA die Umsetzbarkeit verbessern. Zur Stärkung von Fähigkeiten und Motivation benötigen Patient:innen verständliche Informationsmaterialien sowie eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung.

Diskussion: Die Einbeziehung relevanter Akteure ermöglichte die Definition konkreter Implementierungshilfen. Trotz der Einbeziehung von Vertreter:innen aller relevanten Gruppen konnten aufgrund der begrenzten Stichprobengröße eventuell nicht alle Perspektiven erfasst werden.

Take Home Message für die Praxis: Arbeitsteilung in der Hausarztpraxis, nützliche Implementierungstools und gezielte Aufklärung der Patient:innen könnten eine Grundlage für eine alltagstaugliche Intervention zur Erhöhung der AMTS darstellen.

Interessenkonflikte: Keine