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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Vermeidung von freiheitsentziehenden Maßnahmen im Krankenhaus: Prozessevaluation einer Cluster-randomisierten kontrollierten Pilotstudie (PROTECT)

Susan Gottschalk - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Gesundheits-, Hebammen- und Pflegewissenschaft, Medizinische Fakultät, Universitätsmedizin Halle, Deutschland
Gabriele Meyer - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Gesundheits-, Hebammen- und Pflegewissenschaft, Medizinische Fakultät, Universitätsmedizin Halle, Deutschland
Jens Abraham - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Gesundheits-, Hebammen- und Pflegewissenschaft, Medizinische Fakultät, Universitätsmedizin Halle, Deutschland

Text

Hintergrund: Freiheitsentziehende Maßnahmen (FEM) werden im Krankenhaus vielfach angewendet, obwohl ein Nachweis der Wirksamkeit und Sicherheit fehlt, unerwünschte Ereignisse jedoch assoziiert sind. In einer Cluster-randomisierten kontrollierten Pilotstudie (DRKS00027989) wurde eine komplexe Intervention zur Reduktion von FEM entwickelt. Diese beinhaltete u.a. einen Multiplikator:innenansatz, interprofessionelle Kurzschulungen und Bereitstellung von Informationsmaterial. Es nahmen 26 Stationen aus acht deutschen Krankenhäusern mit insgesamt 3.573 Patient:innen teil. Eine umfassende Prozessevaluation begleitete die Pilotstudie.

Zielsetzung/Fragestellung: Es sollte die Machbarkeit der Rekrutierungsstrategie, die Akzeptanz und die Implementierung der Intervention sowie relevante Kontextfaktoren untersucht werden.

Material & Methoden: Die Prozessevaluation wurde entsprechend internationaler Empfehlungen (Moore et al. 2015, BMJ;350:h1258–7) konzipiert und beinhaltete qualitative und quantitative Methoden (u.a. leitfadengestützte Interviews und schriftliche Befragungen). Qualitative Daten wurden inhaltsanalytisch und quantitative deskriptiv analysiert.

Ergebnisse: Die Intervention wurde wie geplant umgesetzt. Die Schulungen wurden sehr positiv bewertet. Die Analysen zeigten Anpassungen von Routinen, gesteigerte Sensibilisierung, intensivierte interprofessionelle Zusammenarbeit, stärkere Berücksichtigung der Patient:innenbedürfnisse und Nutzung von Alternativen. Patient:innen und Angehörige akzeptierten FEM überwiegend zur Sicherheit, wiesen jedoch auf Einschränkungen von Autonomie und Mobilität sowie mangelnden Informationszugang hin. Förderlich waren Unterstützung durch Leitungen und Akzeptanz der Multiplikator:innen, hinderlich unzureichende ärztliche Einbindung sowie personelle und zeitliche Engpässe. Die COVID-19 Pandemie hatte keinen wahrgenommenen Einfluss. Die Rekrutierung war herausfordernd, die geplante Stichprobe konnte jedoch erreicht werden.

Diskussion: Die Intervention ist umsetzbar, die Multiplikator:innen- und Kurzschulungen förderten den reflektierten Umgang mit FEM. Die Einbindung des ärztlichen Personals und die Rekrutierung sind eine besondere Herausforderung. Die Ergebnisse der Prozessevaluation liefern wichtige Hinweise für eine zukünftige konfirmatorische Studie.

Take Home Message für die Praxis: Der interprofessionelle auf Multiplikator:innen basierende Ansatz erscheint zur Vermeidung von FEM geeignet. Eine Verbesserung der Strategie zur Einbindung des ärztlichen Personals ist erforderlich, eine Wirksamkeitsprüfung der komplexen Intervention steht aus.

Interessenkonflikte: Keine