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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Kardiologisches Entlassmanagement in Deutschland: Fördernde Faktoren, Barrieren und Herausforderungen aus Sicht von Expert:innen – eine qualitative Studie

Susan Gottschalk - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Gesundheits-, Hebammen- und Pflegewissenschaft, Medizinische Fakultät, Universitätsmedizin Halle, Deutschland
Catrin Nathalie Roßbach - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Gesundheits-, Hebammen- und Pflegewissenschaft, Medizinische Fakultät, Universitätsmedizin Halle, Deutschland
Gabriele Meyer - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Gesundheits-, Hebammen- und Pflegewissenschaft, Medizinische Fakultät, Universitätsmedizin Halle, Deutschland
Steffen Fleischer - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Gesundheits-, Hebammen- und Pflegewissenschaft, Medizinische Fakultät, Universitätsmedizin Halle, Deutschland

Text

Hintergrund: Patientenübergänge zwischen stationärer und ambulanter Versorgung sind kritische Zeitpunkte mit erhöhtem Risiko für Informationsverluste und Versorgungsbrüche. Herz-Kreislauf-Erkrankungen erfordern als chronische Erkrankungen in besonderem Maße eine koordinierte Nachsorge. Entlassmanagement (EM) soll Versorgungskontinuität durch Bedarfserhebung, Planung und Informationsweitergabe sichern. Trotz gesetzlicher Verpflichtung seit 2017 variiert die Umsetzung stark.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel war die Identifikation förderlicher und hinderlicher Faktoren im kardiologischen EM aus Sicht von Expert:innen.

Material & Methoden: Im Rahmen des „Ready to Discharge“ Projekts (Innovationsfonds FKZ 01VSF23035) wurden semistrukturierte Einzelinterviews und Fokusgruppen durchgeführt. Zielgruppe waren Expert:innen aus kardiologischen und herzchirurgischen Krankenhausabteilungen und aus Einrichtungen der Nachsorge (Rehabilitationskliniken, Facharzt- und Hausarztpraxen, ambulante Pflegedienste). Die Rekrutierung erfolgte auf Basis zuvor befragter Kliniken und gezielter Recherche potenzieller Nachsorger. Die Interviews wurden digital aufgezeichnet, transkribiert und mittels Framework-Analyse ausgewertet.

Ergebnisse: Es nahmen 42 Expert:innen teil: 28 aus Krankenhausabteilungen und 14 aus Einrichtungen der Nachsorge. Die Teilnehmenden waren Pflegende, Ärzt:innen, Mitarbeitende aus Sozialdienst, EM, Belegungsmanagement, Stationsassistenz und Physiotherapie. Als förderlich angesehen wurden interprofessionelle Zusammenarbeit, engagiertes Personal, breiter Kompetenzmix, klare Verantwortlichkeiten, standardisierte Prozesse und digitale Unterstützung. Als hinderlich beschrieben wurden Zeit- und Personalmangel, unzureichende sektorübergreifende Kommunikation, fehlende Dokumentationsstandards, geringe Patienten-Compliance, chronische Erkrankungen und begrenzte Kapazitäten in der Weiterversorgung. Unterschiede zwischen patient:innenorientiertem und ökonomischem Fokus beeinflussten die Umsetzung; strukturierte Assessments wurden kaum genutzt.

Diskussion: Kardiologisches EM ist implementiert, Qualität und Standardisierung variieren jedoch stark. Erfolgreiche Umsetzung erfordert breiten Kompetenzmix, Synchronisation der Berufsgruppen, digitale Dokumentationssysteme und systematische Assessments. Kapazitätsengpässe in der Weiterversorgung bleiben herausfordernd.

Take Home Message für die Praxis: Erfolgreiches EM hängt von klarer Aufgabenverteilung, ausreichenden Ressourcen, digitaler Unterstützung, Patientenintegration und der Schaffung abrechenbarer Strukturen für komplexe EM-Maßnahmen ab.

Interessenkonflikte: Keine