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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Vollständigkeit der elektronischen Medikationsliste im Vergleich mit dem Kundensatz einer öffentlichen Apotheke bei Patienten mit und ohne Polymedikation
Text
Hintergrund: Voraussetzung für die Optimierung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) ist die vollständige Arzneimittel (AM)-Anamnese. Die elektronische Patientenakte (ePA) soll hier unterstützen, insbesondere bei Patienten mit Polymedikation (≥5 AM).
Die elektronische Medikationsliste (eML), die durch Einlesen der Gesundheitskarte (eGK) in der Apotheke eingesehen werden kann, enthält seit 15.1.25 chronologisch alle elektronischen Verordnungen eines Versicherten, jedoch nicht Papierverordnungen. Kundensätze in den Apotheken enthalten die dort eingelösten Rezepte unabhängig von ihrer Form sowie OTC-Präparate, jedoch keine Verordnungen, die in anderen Apotheken eingelöst wurden.
Zielsetzung/Fragestellung: Ziel des Projekts war die Ermittlung der Vollständigkeit der eML und des Kundensatzes im gegenseitigen Abgleich.
Material & Methoden: Randomisierte Erhebung der AM-Versorgungsdaten seit Start der ePA aus einer Stichprobe aus allen für erwachsene Versicherte in einer öffentlichen Apotheke ausgelösten Kassenvorgängen mit eGK, in der Zeit von 11.08. bis 08.09.25. Der erforderliche Stichprobenumfang (KI 95%| 5%) betrug 319 Fälle mit beiden Datensätzen.
Ergebnisse: Die Patienten (N=665) waren 64±18 Jahre alt. Seit Einführung der ePA suchten sie 1-11, im Schnitt 3,2, Verordner auf, hatten bis zu 29 Arztkontakte in Verbindung mit einer e-Verordnung, und lösten ihre 14,2±10,4 Verordnungen (max. 57) in 2±1,3 Apotheken ein. 69,5% der Patienten hatten eine Polymedikation (≥ 5 verschiedene AM). Bei Patienten mit Polymedikation waren neben den Zahlen der Verordnung und AM auch die Zahlen der Verordner und Kontakte zu ihnen erhöht.
Bei N=349 Patienten mit eML und Kundensatz konnte ein Abgleich auf Vollständigkeit hinsichtlich verordneter Wirkstoffe und Stärken stattfinden. Eine vollständige eML hatten 227 (64,7%), einen vollständigen Kundensatz 242 (69%) Patienten. Die eML war bei Patienten ohne Polymedikation in 73,4% und mit Polymedikation in 63,2% der Fälle vollständig. Einen vollständigen Kundensatz hatten 82,8% der Patienten ohne und 66,3% mit Polymedikation.
Diskussion: Die eML ist wertvoll für die AM-Anamnese, auf ihre Vollständigkeit kann man sich jedoch gerade bei Patienten mit Polymedikation nicht verlassen. Da Papierverordnungen bei Einlösung in anderen Apotheken sowohl in der eML als auch im Kundensatz fehlen, ist der tatsächliche Anteil vollständiger eML eher noch geringer. Selbstmedikation kann AMTS-relevant sein, fehlt jedoch ganz.
Take Home Message für die Praxis: Die AM-Anamnese im Patientengespräch bleibt somit unverzichtbar für die AMTS.
Interessenkonflikte: Keine



