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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Anpassung von Social Prescribing an die Bedarfe von Personen in potenziell vulnerablen Situationen – Ergebnisse eines ko-kreativen Prozesses

Philip Oeser - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Deutschland
Farhad Rezvani - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Deutschland
Simon Leonard Hörmann - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Deutschland
Hendrik Napierala - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Deutschland
Claudia Salm - Universitätsklinikum Freiburg, Institut für Allgemeinmedizin, Freiburg, Deutschland
Andy Maun - Universitätsklinikum Freiburg, Institut für Allgemeinmedizin, Freiburg, Deutschland
Thomas Kloppe - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Stéphanie Baggio - Universität Bern, Berner Institut für Hausarztmedizin, Bern, Schweiz
Moa Lina Haller - Universität Bern, Berner Institut für Hausarztmedizin, Bern, Schweiz
Aline Berthoud - Schweizerisches Rotes Kreuz – Kanton Bern, Division Respite Services, Schweiz
Maria João Marques - NOVA National School of Public Health, Public Health Research Centre, CHRC, REAL, CCAL, Portugal
Sónia Dias - NOVA National School of Public Health, Public Health Research Centre, CHRC, REAL, CCAL, Portugal
Jemma Hawkins - Cardiff University, School of Social Sciences, Cardiff, Großbritannien
Lene Gissel Rasmussen - Aalborg Universitet, Faculty of Medicine, Dänemark
Sine Agergaard - Aalborg Universitet, Faculty of Medicine, Dänemark
Wolfram Joachim Herrmann - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Deutschland

Text

Hintergrund: Social Prescribing (SP) zielt darauf ab, soziale Probleme in der Primärversorgung zu adressieren, indem die medizinische Versorgung von Hausärzt:innen (HÄ) über die Vermittlung an Link Worker (LW) mit lokalen, sozialen Unterstützungsangeboten verknüpft wird. Studien weisen auf positive Effekte von SP auf Lebensqualität und Wohlbefinden hin. Das Projekt SP-EU untersucht die Wirksamkeit von SP in einer randomisiert-kontrollierten Studie mit Fokus auf drei Personengruppen in potenziell vulnerablen Situationen, die bisher nicht spezifisch von SP adressiert wurden.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel des ko-kreativen Prozesses war es, vor der geplanten Intervention SP an die Bedarfe der drei Zielgruppen zu adaptieren: 1) lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche (LGBTIQ+) Personen, 2) Erstgenerationsmigrant:innen und Geflüchtete sowie 3) ältere, alleinlebende Menschen.

Material & Methoden: In der ersten Phase erfolgten ein Rapid Review bereits vorhandener SP-Materialien und eine Reihe von Workshops mit den Zielgruppen, in denen Fallvignetten erarbeitet wurden, die exemplarisch die Bedarfe der jeweiligen Gruppen abbilden. In der zweiten Phase wurde mit Stakeholdern anhand der Fallvignetten Anpassungen von SP diskutiert. In der dritten Phase wurden lokale Beiräte eingesetzt, um die Anpassungsvorschläge hinsichtlich ihres Inhalts und ihrer Umsetzbarkeit im jeweiligen lokalen Kontext zu diskutieren.

Ergebnisse: Es entstanden 28 Empfehlungen in drei Kategorien: 1) Rekrutierung von Teilnehmer:innen, 2) Training von LW und 3) Training von HÄ. Für LGBTIQ wurde beispielhaft empfohlen, Möglichkeiten zu schaffen, sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität anzusprechen. Die Versorgung von Migrant:innen könne durch sprach- und kultursensibel geschulte LW angepasst werden. Bei älteren, alleinlebenden Menschen sollte der Prozess Schamgefühle gegenüber Hilfsangeboten adressieren und möglichst barrierefrei gestaltet sein, z.B. durch Anbieten von Telefoninterviews und der Sicherstellung einer guten physischen Erreichbarkeit der lokalen Angebote.

Diskussion: Die Einbindung von Vertreter:innen der Zielgruppen als „Mitforschende“ und die Diskussion in lokalen Beiräten zur kontext-spezifischen Einordnung führte zu einer Vielzahl an Anpassungsmöglichkeiten. Trotz unterschiedlicher Bedarfe wurden auch Gemeinsamkeiten identifiziert. Wichtig ist, die Selbstbestimmung der Teilnehmer:innen zu wahren.

Take Home Message für die Praxis: Die aus dem Prozess entstandenen Empfehlungen sind für eine bedarfsgerechte Versorgung auch über das Projekt SP-EU hinaus relevant.

Interessenkonflikte: Keine