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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Blended Collaborative Care in der Primärversorgung: Chancen und Herausforderungen aus Sicht von Hausärzt:innen und Care Manager:innen

Josefine Schulze - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Sarah Yvonne Kuba - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Niklas Hoepffner - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Jonas Nagel - Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Göttingen, Deutschland
Christian Albus - Universitätsklinikum Köln, Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Köln, Deutschland
Birgit Herbeck Belnap - Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Göttingen, Deutschland
Dagmar Lühmann - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Multimorbidität geht häufig mit komplexen Behandlungsanforderungen einher und begünstigt eine fragmentierte Versorgung. In der EU-Horizon-geförderten ESCAPE-Studie wurde ein Blended Collaborative Care-Modell (BCC) für ältere, psychisch belastete multimorbide Patient:innen erprobt. Dabei unterstützten nicht-ärztliche Care Manager:innen (CM), supervidiert durch ein Fachärzt:innenteam, die hausärztliche (HÄ) Versorgung durch regelmäßige telefonische Kontakte mit Patient:innen. Die Patient:innenrekrutierung erfolgte primär im Rahmen von Klinikaufenthalten oder durch Selbstzuweisung.

Zielsetzung/Fragestellung: Diese qualitative Evaluation untersucht die Sicht von HÄ und CM auf das BCC-Versorgungsmodell sowie förderliche und hinderliche Faktoren ihrer Zusammenarbeit.

Material & Methoden: Alle an der Intervention beteiligten HÄ und CM in Deutschland wurden zu semi-strukturierten Leitfadeninterviews eingeladen, in denen sie ihre Erfahrungen mit der Intervention schilderten. Die Interviews wurden aufgezeichnet, transkribiert und mittels strukturierender Inhaltsanalyse (HÄ) bzw. thematischer Analyse (CM) ausgewertet. Anschließend wurden beide Perspektiven vergleichend gegenübergestellt.

Ergebnisse: Es wurden 13 HÄ und 9 CM interviewt. Beide Gruppen berichteten von positiven Interventionseffekten und einer hohen Patient:innenzufriedenheit. CM beschrieben heterogene Unterstützungsbedarfe und betonten die Notwendigkeit eines flexiblen, individualisierten Vorgehens. HÄ nahmen CM als wertvolle Partner wahr, insbesondere zur psychosozialen Unterstützung, Förderung des Krankheitsverständnisses und Entlastung bei zeitintensiven Gesprächen. Beide Seiten berichteten von begrenztem Austausch und unklaren Kommunikationswegen. Während ihre Rolle im Versorgungssystem für CM unklar blieb, äußerten HÄ Vorbehalte hinsichtlich des tatsächlichen Entlastungseffekts sowie der möglichen Entstehung zusätzlicher Schnittstellen.

Diskussion: In einer durch CM unterstützten hausärztlichen Versorgung wird großes Potenzial gesehen. Die zeitlich begrenzte Intervention und der fallbezogene Aufbau von Netzwerken im Studienkontext erschwerten den Aufbau einer Arbeits- und Vertrauensbeziehung zwischen HÄ und CM. Bei der Übertragung in die Routineversorgung kann dieser Herausforderung mit einer stärkeren Einbindung von CM in bestehende Praxisstrukturen begegnet werden.

Take Home Message für die Praxis: Für eine erfolgreiche Implementierung des BCC-Modells sind klare Rollen, definierte Kommunikationswege und systemische Rahmenbedingungen notwendig, die eine dauerhafte Einbindung von CM ermöglichen.

Interessenkonflikte: Keine