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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Blended Collaborative Care in der Primärversorgung: Chancen und Herausforderungen aus Sicht von Hausärzt:innen und Care Manager:innen
Text
Hintergrund: Multimorbidität geht häufig mit komplexen Behandlungsanforderungen einher und begünstigt eine fragmentierte Versorgung. In der EU-Horizon-geförderten ESCAPE-Studie wurde ein Blended Collaborative Care-Modell (BCC) für ältere, psychisch belastete multimorbide Patient:innen erprobt. Dabei unterstützten nicht-ärztliche Care Manager:innen (CM), supervidiert durch ein Fachärzt:innenteam, die hausärztliche (HÄ) Versorgung durch regelmäßige telefonische Kontakte mit Patient:innen. Die Patient:innenrekrutierung erfolgte primär im Rahmen von Klinikaufenthalten oder durch Selbstzuweisung.
Zielsetzung/Fragestellung: Diese qualitative Evaluation untersucht die Sicht von HÄ und CM auf das BCC-Versorgungsmodell sowie förderliche und hinderliche Faktoren ihrer Zusammenarbeit.
Material & Methoden: Alle an der Intervention beteiligten HÄ und CM in Deutschland wurden zu semi-strukturierten Leitfadeninterviews eingeladen, in denen sie ihre Erfahrungen mit der Intervention schilderten. Die Interviews wurden aufgezeichnet, transkribiert und mittels strukturierender Inhaltsanalyse (HÄ) bzw. thematischer Analyse (CM) ausgewertet. Anschließend wurden beide Perspektiven vergleichend gegenübergestellt.
Ergebnisse: Es wurden 13 HÄ und 9 CM interviewt. Beide Gruppen berichteten von positiven Interventionseffekten und einer hohen Patient:innenzufriedenheit. CM beschrieben heterogene Unterstützungsbedarfe und betonten die Notwendigkeit eines flexiblen, individualisierten Vorgehens. HÄ nahmen CM als wertvolle Partner wahr, insbesondere zur psychosozialen Unterstützung, Förderung des Krankheitsverständnisses und Entlastung bei zeitintensiven Gesprächen. Beide Seiten berichteten von begrenztem Austausch und unklaren Kommunikationswegen. Während ihre Rolle im Versorgungssystem für CM unklar blieb, äußerten HÄ Vorbehalte hinsichtlich des tatsächlichen Entlastungseffekts sowie der möglichen Entstehung zusätzlicher Schnittstellen.
Diskussion: In einer durch CM unterstützten hausärztlichen Versorgung wird großes Potenzial gesehen. Die zeitlich begrenzte Intervention und der fallbezogene Aufbau von Netzwerken im Studienkontext erschwerten den Aufbau einer Arbeits- und Vertrauensbeziehung zwischen HÄ und CM. Bei der Übertragung in die Routineversorgung kann dieser Herausforderung mit einer stärkeren Einbindung von CM in bestehende Praxisstrukturen begegnet werden.
Take Home Message für die Praxis: Für eine erfolgreiche Implementierung des BCC-Modells sind klare Rollen, definierte Kommunikationswege und systemische Rahmenbedingungen notwendig, die eine dauerhafte Einbindung von CM ermöglichen.
Interessenkonflikte: Keine



