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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Qualitativ hochwertige Interprofessionelle Versorgung entsteht nicht nebenbei: qualitative Prozessevaluation des Primärversorgungsmodells NAVIGATION
Text
Hintergrund: Multimorbidität ist sozial ungleich verteilt; Menschen in benachteiligten Lebenslagen sind häufiger von körperlichen und psychischen Erkrankungen betroffen. Im deutschen Gesundheitssystem erschweren sektorale Trennung und Koordinationslücken die Versorgungskontinuität. Vor diesem Hintergrund erprobt NAVIGATION in Berlin und Hamburg ein interprofessionelles Primärversorgungsmodell mit standardisiertem bio-psychosozialem Assessment und interprofessionellen Versorgungspfaden für Menschen in benachteiligten Lebenslagen. Die Prozessevaluation untersucht die Umsetzung aus Mitarbeitendenperspektive.
Zielsetzung/Fragestellung: Wie erleben Mitarbeitende die interprofessionelle Versorgung im Rahmen von NAVIGATION, und welche Faktoren fördern oder erschweren die Umsetzung im Versorgungsalltag?
Material & Methoden: Im Rahmen der qualitativen Prozessevaluation wurden leitfadengestützte episodische Interviews mit interprofessionellen Mitarbeitenden geführt (n=16). Die Auswertung erfolgte Grounded-Theory-orientiert mittels thematischem Kodieren in MAXQDA, induktiv aus dem Material. Die Codes wurden zu Spannungsachsen und vier Ergebnis-Ebenen verdichtet; ergänzend wurden Beobachtungen von Teambesprechungen zur Einordnung der Interviewbefunde herangezogen.
Ergebnisse: In den Interviews zeigt sich ein Spannungsverhältnis zwischen dem Anspruch interprofessioneller Zusammenarbeit und den Bedingungen des Versorgungsalltags. Auf der Teamebene wird hierarchiearme Kooperation als motivierend beschrieben, braucht jedoch klare Rollen und Verantwortlichkeiten. Auf der individuellen Ebene bewegen sich Rollen zwischen Begleitung, Beziehungsarbeit und Vermittlung an weiterführend Versorgende; erweiterte Handlungsspielräume werden teils als Gewinn, teils als Belastung erlebt. Aus Mitarbeitendensicht sind Zeit und Zuhören für Patient:innen zentral, während organisationale Vorgaben und Zugangskriterien Hürden darstellen.
Diskussion: NAVIGATION wird aus Mitarbeitendenperspektive als förderlich für eine bedarfsorientierte Primärversorgung beschrieben. Gleichzeitig zeigt sich, dass interprofessionelle Zusammenarbeit im Alltag auf klare Rollen, verlässliche Abstimmung und geeignete Strukturen angewiesen ist.
Take Home Message für die Praxis: Räumliche Nähe allein schafft keine interprofessionelle Versorgung. In Primärversorgungszentren braucht es klare Rollen, verlässliche Koordination und Zeit für Beziehungsarbeit, damit Zusammenarbeit im Alltag gelingt.
Interessenkonflikte: Keine



