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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Personenzentrierte Versorgung in der pädiatrischen Nephrologie: zwischen gelingender Kommunikation und strukturellen Herausforderungen
Text
Hintergrund: Kinder und Jugendliche mit chronischen Nierenerkrankungen (CKD) sowie ihre Familien sind häufig mit einer hohen Krankheits- und Behandlungslast konfrontiert. Personenzentrierte Versorgung (PCC) zielt darauf ab, individuelle Bedürfnisse, Lebenskontexte und Ressourcen stärker zu berücksichtigen. Gleichzeitig erschweren fragmentierte Versorgungsstrukturen und sektorale Schnittstellen eine kontinuierliche und abgestimmte Betreuung.
Zielsetzung/Fragestellung: Ziel der qualitativen Interviewstudie war es, zentrale Anforderungen an PCC aus Sicht von Familien und Leistungserbringenden zu identifizieren sowie potenzielle Barrieren und Förderfaktoren daraus abzuleiten.
Material & Methoden: Es wurden leitfadengestützte, semi-strukturierte Interviews mit Kindern und Jugendlichen in kindernephrologischer Behandlung, deren Erziehungsberechtigten sowie mit Leistungserbringenden (Ärzt:innen, Pflege, therapeutische Berufsgruppen) geführt. Insgesamt wurden 26 Interviews (14 Familien, 12 Leistungserbringende) erhoben, aufgezeichnet, transkribiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker ausgewertet.
Ergebnisse: PCC zeigt sich perspektivübergreifend insbesondere auf der Beziehungsebene weitgehend implementiert: Vertrauen, Kontinuität und eine sensible, auf gegenseitigem Verständnis basierende Kommunikation prägen die Versorgung. Gleichzeitig berichten Familien von erheblichen organisatorischen und koordinativen Anforderungen und übernehmen häufig eine aktive Rolle in der Abstimmung zwischen Versorgungsakteuren. Fragmentierte Versorgungsstrukturen, sektorale Schnittstellen sowie administrative Prozesse erhöhen die Belastung zusätzlich. Auch Leistungserbringende verweisen auf strukturelle Rahmenbedingungen, die eine konsistente Umsetzung von im Versorgungsalltag limitieren.
Diskussion: Die Ergebnisse verdeutlichen, dass PCC primär auf der Beziehungsebene der Interaktion realisiert wird, während ihre strukturelle Verankerung auf Systemebene begrenzt bleibt. Daraus ergibt sich eine Verschiebung von Koordinations- und Abstimmungsleistungen hin zu den Familien. Personenzentrierte Ansätze erscheinen somit weniger als systemisch abgesichert, sondern vielmehr als abhängig von individuellen kommunikativen Praktiken und Engagement im Versorgungsalltag.
Take Home Message für die Praxis: PCC sollte nicht allein im direkten Kontakt verbleiben, sondern gezielt strukturell unterstützt werden. Ansatzpunkte liegen in der Stärkung sektorenübergreifender Koordination, klaren Verantwortlichkeiten sowie der Entlastung von Familien durch verlässliche Unterstützungsstrukturen.
Interessenkonflikte: Keine



