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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Entwicklung eines Rehabilitationsprogramms für Kinder und Jugendliche mit riskanter und pathologischer Mediennutzung: eine qualitative Erhebung verschiedener Perspektiven

Laura Klüpfel - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland
Anika Zembic - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland
Sandra Fahrenkrog - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland
Judith Stumm - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland

Text

Hintergrund: Obwohl die Gaming Disorder in der ICD-11 verankert ist und das Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen (KiJu) öffentlich diskutiert wird, bleibt die Versorgung bei riskanter oder pathologischer Mediennutzung unzureichend. Im partizipativen Modellprojekt 'MeKi' wird erstmals ein stationäres Rehabilitationsprogramm für betroffene KiJu entwickelt und evaluiert. Dazu wurden Perspektiven von Betroffenen und Expert:innen zur „Medienabhängigkeit“ explorativ erhoben und in die Programmentwicklung einbezogen.

Zielsetzung/Fragestellung: Wie können bestehende Störungsmodelle zur riskanten und pathologischen Mediennutzung von KiJu ergänzt werden? Welche Versorgungsbedarfe ergeben sich für KiJu und ihre erziehenden Bezugspersonen?

Material & Methoden: Gemäß einem multiperspektivischen qualitativen Ansatz wurden 14 Expert:inneninterviews, 10 narrative Elterninterviews und 11 semistrukturierte Leitfadeninterviews mit KiJu mit selbstberichteter „Medienabhängigkeit“ telefonisch durchgeführt. Die Interviews wurden aufgezeichnet, anonymisiert transkribiert und inhaltsanalytisch ausgewertet.

Ergebnisse: Die Interviewanalyse aller 3 Akteur:innengruppen zeigt, dass die Eltern-Kind-Beziehung häufig beeinträchtigt ist und daher die Einbindung erziehender Bezugspersonen sinnvoll sein kann; Behandlungsziele umfassen hier die Bewältigung von Belastung und Ohnmachtsgefühlen bei Eltern, das Erlernen deeskalierender Kommunikationsstrategien, die Entwicklung von Empathie für das Medienverhalten der KiJu sowie die Vermittlung von Informationen zu digitalen Risiken. Bedarfe der KiJu liegen in der Auseinandersetzung mit individuellen Motiven für die Mediennutzung, der Förderung von Selbstwirksamkeit zur kontrollierten Nutzung, der Einführung alternativer Beschäftigungen, sozialer Kompetenzförderung zur Teilhabe sowie der Steigerung von Medienkompetenz.

Diskussion: Die stationäre Rehabilitation ermöglicht es KiJu, sich gemeinsam mit anderen Betroffenen intensiv mit ihrem Medienverhalten auseinanderzusetzen. Der Einbezug von erziehenden Bezugspersonen ist ein wichtiger Faktor zur Bearbeitung von Konflikten innerhalb des Familiensystems. Betroffene berichten von einem Leidensdruck im Umgang mit digitalen Medien, der durch die ICD-11 und DSM-5 nicht vollständig abgebildet wird.

Take Home Message für die Praxis: Behandlung und Prävention sollten auf individuelle Motive der KiJu eingehen, Alternativbeschäftigung anbahnen und Medienkompetenz fördern, unter anderem durch Aufklärung über manipulative Designstrategien. Der Einbezug erziehender Bezugspersonen scheint als besonders sinnvoll.

Interessenkonflikte: Keine