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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

„Ich war wirklich einfach so gelangweilt, deswegen hab’ ich halt so viel angefangen zu kiffen“ – Verläufe, Muster und Motive des Cannabiskonsums junger Menschen in Deutschland nach der Teillegalisierung

Paula Steinhoff - Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Düsseldorf, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Düsseldorf, Deutschland
Cynthia Fedler - Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Düsseldorf, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Düsseldorf, Deutschland
Stephanie Klosterhalfen - Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Düsseldorf, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Düsseldorf, Deutschland
Daniel Kotz - Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Düsseldorf, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Düsseldorf, Deutschland

Text

Hintergrund: Mit Inkrafttreten des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) am 1. April 2024 wurde Besitz und Anbau von Cannabis für Erwachsene in Deutschland teilweise legalisiert. Die besonderen gesundheitlichen Risiken für junge Menschen machen eine Untersuchung dieser Altersgruppe im veränderten rechtlichen Kontext besonders relevant. Aktuelle Daten (2025) zeigen eine 12-Monatsprävalenz des Cannabiskonsums von 7,9–11% bei Jugendlichen (15–17 Jahre) und 17,5–26,5% bei jungen Erwachsenen (18–24 Jahre).

Zielsetzung/Fragestellung: Diese qualitative Studie untersucht Verläufe, Muster und Motive des Cannabiskonsums junger Menschen, um ein vertieftes Verständnis des Cannabiskonsums in dieser Altersgruppe im Kontext der Teillegalisierung zu erlangen.

Material & Methoden: Das Projekt EKOCAN (Evaluation des Konsumcannabisgesetzes) ist die gesetzlich vorgesehene wissenschaftliche Begleitevaluation des KCanG. Im April 2026 wurde der zweite Zwischenbericht veröffentlicht (https://www.fdr.uni-hamburg.de/record/18530). Von September 2025 bis Januar 2026 wurden qualitative, leitfadengestützte Online-Interviews mit jungen Cannabiskonsumierenden geführt. Die Auswertung erfolgt mittels Reflexive Thematic Analysis.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 45 Interviews geführt – 15 mit Minderjährigen (15–17 Jahre; M = 16,7 Jahre; 13 männlich, 2 weiblich; Ø Interviewdauer: 42 min) und 30 mit Volljährigen (18–24 Jahre; M = 21,8 Jahre; 17 männlich, 13 weiblich; Ø Interviewdauer: 41 min) aus zwölf Bundesländern. Mittels Cannabis Abuse Screening Test (CAST) wurde bei der Mehrheit der Jugendlichen ein hohes (n = 10), bei den Erwachsenen ein mittleres Risiko (n = 16) für problematischen Konsum festgestellt. Erste vorläufige Analysen zeigen ein breites Spektrum an Konsummotiven, wobei wahrgenommene gesundheitliche Vorteile eine zentrale Rolle spielen. Die vollständigen Ergebnisse der laufenden Datenanalyse werden zum Zeitpunkt des Kongresses vorliegen und präsentiert.

Diskussion: Die Studie liefert erstmals vertiefende Einblicke in den Cannabiskonsum junger Menschen im Kontext der Teillegalisierung.

Take Home Message für die Praxis: Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, die Konsummotive junger Menschen zu verstehen. So können zielgruppenspezifische Präventions- und Interventionsmaßnahmen weiterentwickelt und erfolgreich umgesetzt werden.

Interessenkonflikte: PS, CF, SK und DK sind Mitarbeiter:innen des EKOCAN-Projekts – der begleitenden Evaluierung des KCanG (https://www.uke.de/english/landingpage/ekocan).