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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Soziale Ungleichheiten in der Inanspruchnahme von Hebammenleistungen nach § 134a SGB V: eine kleinräumige Routinedatenanalyse in Hamburg

Denise Kubat - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Enno Swart - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Lasse Jenner-Nissen - Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Competence Center Gesundheit, Hamburg, Deutschland
Claudia Limmer - Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Competence Center Gesundheit, Hamburg, Deutschland
Susanne Busch - Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Competence Center Gesundheit, Hamburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Eine bedarfsgerechte Versorgung rund um Schwangerschaft, Geburt und frühe Elternzeit ist ein zentrales Ziel der Gesundheitsversorgung. Leistungen nach dem Hebammenhilfevertrag gemäß § 134a SGB V umfassen Schwangerschaftsvorsorge, Geburtsvorbereitung und Wochenbettbetreuung. Trotz hoher gesundheitlicher Relevanz bestehen Hinweise auf Unterschiede in der Inanspruchnahme, insbesondere im Kontext regionaler Versorgungsengpässe und sozialer Ungleichheit.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel der Studie ist die differenzierte Analyse der Inanspruchnahme von Leistungen freiberuflich tätiger Hebammen sowie ihrer sozialräumlichen und individuellen Determinanten.

Material & Methoden: Im Rahmen des Innovationsfondsprojekts „KAbA-Präv_sozial“ (FKZ: 01VSF22038) wurde eine retrospektive Routinedatenynalyse von vier GKV in Hamburg durchgeführt. Eingeschlossen wurden Frauen mit einer Geburt in 2020–2022. Die Inanspruchnahmen freiberuflicher Hebammenleistungen wurden anhand von Abrechnungsdaten gemäß § 134a SGB V identifiziert und nach Leistungsbereichen differenziert. Die Analysen erfolgten auf kleinräumiger Ebene unter Berücksichtigung individueller und sozialräumlicher Faktoren.

Ergebnisse: Etwa die Hälfte der Frauen nahm mindestens eine freiberufliche Hebammenleistung während der Schwangerschaft in Anspruch. Spezifische Angebote wie Geburtsvorbereitungskurse oder Schwangerschaftsvorsorge wurden von rund einem Viertel genutzt. Auch die häusliche Wochenbettbetreuung nahm etwa jede zweite Frau wahr.

In den multivariaten Analysen zeigte sich ein ausgeprägter sozialer Gradient: Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit sowie Wohnsitz in sozial besser gestellten Quartieren wiesen durchgehend höhere Chancen der Inanspruchnahme auf. So lag die Chance der Nutzung von Leistungen freiberuflicher Hebammen während der Schwangerschaft bei Frauen aus Quartieren mit hohem Sozialstatus um ein Vielfaches über derjenigen von Frauen aus Quartieren mit sehr niedrigem Status (OR > 3).

Diskussion: Die Ergebnisse weisen auf eine insgesamt moderate Inanspruchnahme freiberuflicher Hebammenleistungen sowie deutliche soziale und sozialräumliche Ungleichheiten hin. Insbesondere vulnerable Gruppen nutzen entsprechende Angebote seltener, was auf bestehende Zugangsbarrieren hindeutet.

Take Home Message für die Praxis: Zur Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit rund um die Geburt sind strukturelle Maßnahmen zur Verbesserung des Zugangs zu freiberuflicher Hebammenhilfe sowie niedrigschwellige Versorgungsangebote erforderlich.

Interessenkonflikte: Keine