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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Sprachauffälligkeiten bei Vorschulkindern in einer ländlichen Region in Niedersachsen vor und nach kontaktbeschränkenden Maßnahmen der COVID-19-Pandemie
Text
Hintergrund: Die kontaktbeschränkenden Maßnahmen während der COVID-19-Pandemie haben die kindliche Entwicklung zum Teil negativ beeinflusst.
Zielsetzung/Fragestellung: Wie hat sich die Prävalenz von Sprachauffälligkeiten bei Vorschulkindern vor und nach der COVID-19-Pandemie entwickelt und welche Risikofaktoren gibt es?
Material & Methoden: Die Analyse basiert auf Daten der Schuleingangsuntersuchungen (SEU) eines niedersächsischen Landkreises. Eingeschlossen wurden 5 Jahrgänge: 3 Jahrgänge 2016/17 bis 2018/19 vor der Pandemie, 2 Jahrgänge 2021/22 und 2022/23 nach Beginn der Pandemie. Die unvollständigen Jahrgänge 2019/20 und 2020/21 wurden ausgeschlossen. Der ärztliche Befund der Sprachentwicklung anhand des sozialpäd. Entwicklungsscreenings für SEU (SOPESS) mit 4 Kategorien Präpositionen, Pluralbildung, Pseudowörter und Artikulation, ergänzt um Sprachauffälligkeiten in der Untersuchungssituation, wird insgesamt als „unauffällig“ oder „auffällig“ bewertet. Die Prävalenzen der Sprachauffälligkeiten wurden stratifiziert nach soziodemographischen und familiären Charakteristika berechnet. Zusammenhänge zwischen den Jahrgängen und Sprachauffälligkeiten wurden mit multivariablen logistischen Regressionsanalysen getrennt für Kinder mit vorherrschend deutscher und nicht-deutscher Familiensprache durchgeführt.
Ergebnisse: Eingeschlossen wurden 5.397 Kinder. Die Häufigkeit von Sprachauffälligkeiten stieg von 25,0% in 2016/17 auf 42,2% in 2022/23. Bei Kindern mit deutscher Familiensprache (FS) wurde ein Anstieg von 25,7% auf 33,3% beobachtet, bei Kindern mit nicht-deutscher FS von 23,4% auf 58,7%. Kinder mit nicht-deutscher FS wiesen ab 2021/22 eine deutlich höhere Chance für Sprachauffälligkeiten auf bei >2 Geschwistern, wenn sie nicht im Sportverein oder die Eltern nicht berufstätig waren.
Diskussion: Sprachauffälligkeiten bei Vorschulkindern zeigen stärker werdende Ungleichheiten, können jedoch aus unterschiedlichen Gründen nicht eindeutig der Pandemie zugeschrieben werden. Die vorherrschende Familiensprache ist ein wichtiger, einfach zu erhebender Risikofaktor. Sportvereine scheinen ein bedeutsames Potenzial zur Vermeidung gesundheitlicher Ungleichheit bei Kindern zu haben.
Take Home Message für die Praxis:
- Sprachauffälligkeiten steigen insbesondere in ländlichen Regionen bei Vorschulkindern mit nicht-deutscher Familiensprache.
- Die Mitgliedschaft im Sportverein ist bei Kindern mit nicht-deutscher Familiensprache mit weniger Sprachauffälligkeiten assoziiert.
Interessenkonflikte: Keine



