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20. Internationales SkillsLab Symposium 2026


12.-14.03.2026
Mannheim

Meeting Abstract

Potenzial immersiver virtueller Simulationen in der Notfalllehre

Mareen Machner - Charite – Universitätsmedizin Berlin, Lernzentrum, Berlin, Deutschland
Jannes Piepel - Charite – Universitätsmedizin Berlin, Lernzentrum, Berlin, Deutschland

Text

Zielsetzung: Die Vermittlung notfallmedizinischer Handlungskompetenz erfordert Trainingsformate, die praxisnah, realitätsgetreu und zugleich skalierbar sind, um den Transfer von theoretischem Wissen in sicheres klinisches Handeln in komplexen Situationen zu unterstützen. Analoge Simulationen gelten zwar als Goldstandard, sind jedoch ressourcenintensiv und nur eingeschränkt individualisierbar. Immersive Virtual-Reality-(VR)-Lernszenarien bieten durch interaktive, ortsunabhängige und personalisierbare Fallsimulationen eine vielversprechende Alternative zur Förderung kognitiver, praktischer und impliziter („tacit“) Fertigkeiten [1]. Ziel des Forschungsprojekts ist es, die Wahrnehmung und Bewertung VR-basierter Fallsimulationen durch Lernende unterschiedlicher Gesundheitsprofessionen zu untersuchen und deren Beitrag zur Entwicklung zentraler berufspraktischer Kompetenzen zu analysieren, insbesondere im Bereich des Crew Resource Managements (CRM) und des Clinical Reasoning in der Notfallmedizin [2].

Methode: In interprofessionellen Wahlpflichtmodulen und Tutorien bearbeiteten 66 Medizinstudierende und 32 Notfallpflegende in VR-Multiplayerszenarien zwölf akutmedizinische Fälle. Die vierstündigen Interventionen fanden zwischen SS 2024 und WS 2025 in einer kontrollierten Lernumgebung statt. Die Arbeit erfolgte in Kleingruppen mit anschließendem formativem Feedback und digitaler Fallauswertung. Erfasst wurden Attraktivität, Lernerfahrung, Immersion, intuitive Anwendung und Zielerreichung. Die Auswertung erfolgte deskriptiv sowie inferenzstatistisch mittels Mann-Whitney-U-Tests.

Ergebnisse: In den Modulen in 2024 wurde die Attraktivität der Anwendung (M=1,94; SD=0,85), die Lernerfahrung (M=2,26; SD=0,79) sowie das Immersionserleben (M=2,16; SD=0,69) positiv bewertet. Im Jahr 2025 zeigten sich hohe Zustimmungswerte in allen Dimensionen der Simulation (vgl. Abbildung 1 [Abb. 1]). Es ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Durchläufen und Professionen (p>.05). Die Ergebnisse zeigen eine positive Bewertung der VR-Simulation. Sie wird insbesondere als positive Lernerfahrung bewertet und unterstützt Studierende bei dem Erreichen der Lernziele.

Abbildung 1: Durchschnittliche Bewertungen der VR-Simulation über alle Berufsgruppen und Durchläufe hinweg (N=98).

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse zeigen, dass immersive VR-basierte Notfalltrainings von Lernenden unterschiedlicher Gesundheitsprofessionen durchweg positiv bewertet werden und zentrale Kompetenzbereiche wie Clinical Reasoning, Crew Resource Management, Lernerfahrung und Immersion wirksam adressieren. Die realitätsnahe und standardisierte Abbildung komplexer klinischer Situationen fördert kognitive Entscheidungsprozesse, Teamkommunikation und situatives Handeln und bietet durch mobile Standalone-Headsets ein skalierbares, wiederholbares und ressourceneffizientes Trainingsformat. Trotz fehlender signifikanter Unterschiede zwischen Professionen und Durchläufen verdeutlichen die hohen Zustimmungswerte das Potenzial immersiver VR- Simulationen, analoge Trainingsformate didaktisch sinnvoll zu ergänzen und die Entwicklung notfallmedizinischer Handlungskompetenzen nachhaltig zu unterstützen.

Interessenkonflikte: Die Autor*innen erklären, dass sie keine Interessenkonflikte in Zusammenhang mit diesem Artikel haben.


References

[1] Lindner M, Leutritz T, Backhaus J, König S, Mühling T. Knowledge gain and the impact of stress in a fully immersive virtual reality-based medical emergencies training with automated feedback. J Med Internet Res. 2025;27:e67412. DOI: 10.2196/67412
[2] Mergen M, Graf N, Meyerheim M. Reviewing the current state of virtual reality integration in medical education: a scoping review. BMC Med Educ. 2024;24(1):788. DOI: 10.1186/s12909-024-05777-5