20. Internationales SkillsLab Symposium 2026
20. Internationales SkillsLab Symposium 2026
NIPS – Lernumgebung Notaufnahme: Triage, Team, Tempo – interprofessionelle Simulation mit Schauspielpatient*innen
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Hintergrund: Die Notaufnahme ist geprägt von Dynamik, Parallelprozessen, Unterbrechungen und multiprofessioneller Zusammenarbeit. Das macht sie zum Hochrisiko-Setting für Kommunikations- und Schnittstellenprobleme, Rollenunklarheit und ineffiziente Ressourcennutzung – mit Folgen für Patient*innensicherheit und Arbeitszufriedenheit. Interprofessionelle Kompetenzen werden zwar zunehmend gelehrt, jedoch oft in wenig authentischen Formaten, die das Zusammenspiel mehrerer Berufsgruppen nicht realistisch abbilden.
Projektbeschreibung: NIPS (Night-Shift Interprofessional Simulation) bietet ein gemeinsames, realitätsnahes Trainingsfeld für Lernende verschiedener Gesundheitsberufe. Im Fokus stehen Parallelprozesse, ungeplante Unterbrechungen, wechselnde Prioritäten und hohe Arbeitsdichte in der Notaufnahme sowie klare, ressourcenschonende Teamkommunikation. NIPS macht Rollen und Schnittstellen sichtbar, trainiert strukturierte Übergaben und stärkt Priorisierung/Triage sowie Ressourcenmanagement als Teamaufgabe; Auszubildende aus Pflege, OTA, MFA und Rettungsdienst sowie Medizinstudierende gewinnen Handlungsanker für die Praxis. Didaktisch qualifizierte Mitarbeitende begleiten alle Berufsgruppen; jede Simulation wird durch eine*n SIMFA (Simulation Facilitator) geleitet und direkt debriefed, um Teamprozesse, Kommunikation, Priorisierung und Ressourceneinsatz zu verbessern. Zwei approbierte Ärzt*innen stehen im Hintergrund-Rufdienst bereit, für den Rettungsdienst ist ein Telenotarzt verfügbar. Ein Crew Day bereitet im Sinne der Non-Technical-Skills vor (Setting, Abläufe, Kennenlernen, Erwartungen, Rollen). NIPS umfasst zwei Teile:
- acht parallele Simulationen plus „banale“ Zusatzfälle zur Erhöhung der Arbeitsdichte und zur Förderung von Triage/Priorisierung unter Unterbrechungen;
- eine Polytrauma-Simulation mit drei Verletzten in neuer Teamzusammensetzung zur Förderung von Teamadaptation und Rollenklärung.
Evaluation & wissenschaftliche Begleitung: Nach dem ersten Durchlauf erfolgte eine standardisierte Befragung. Den Spaß bewerteten die Teilnehmenden (Likertskala 1-5, n=25) überwiegend positiv: 20 „voll zu“, 3 „zu“, 1 „teilweise“, 1 „überhaupt nicht“. Die Gesamtbewertung im Mittelwert lag bei 12,9/15 Punkten (Oberstufenbewertung). In der Prä-Post-Selbsteinschätzung („Ich traue mir zu, eigene Patient*innen in der Notaufnahme zu behandeln“) stieg das Item „(eher) zutrauen“ von n=2 (prä) auf n=14 (post).
Ausblick: Das Konzept wird weiter wissenschaftlich begleitet: nach OER (Open-Educated-Ressource) – Veröffentlichung ist eine multizentrische Studie zur Übertragbarkeit und zum Praxistransfer vorgesehen, um eine standortübergreifende Durchführung zu ermöglichen.
Schlussfolgerung: NIPS bildet eine Simulation einer Nachschicht in der Notaufnahme interprofessionell ab und stärkt Kommunikation, Rollenklärung, Priorisierung und Ressourcennutzung. Erste Daten zeigen hohe Akzeptanz und gesteigertes Zutrauen zur eigenständigen Versorgung.
Interessenkonflikte: Die Autor*innen erklären, dass sie keine Interessenkonflikte in Zusammenhang mit diesem Artikel haben.



