20. Internationales SkillsLab Symposium 2026
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Behavioural Marker – Einsatz in der Medizinischen Ausbildung am Beispiel der Interpersonal Competence List (ICL)
Text
Fragestellung/Zielsetzung: Die Handhabung des Themas Patientensicherheit als neues Ziel der medizinischen Ausbildung wird aktuell maßgeblich durch den Referentenentwurf zur neuen AO (04.12.2023) [1] und den Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM 2.0) [https://nklm.de/zend/menu] bestimmt. Im Spannungsfeld zwischen der Forderung, sich an nationalen und internationalen Lernzielkatalogen zu orientieren, und dem Versteckspiel von Lernzielen im NKLM, wird die Überarbeitung von NKLM 2.1 und des AO-Entwurfs bis Mitte 2026 mit Spannung erwartet. Eingebunden werden das WHO-Mustercurriculum Patientensicherheit (2009) sowie die Lernzielkataloge des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS, 2014) [2] und der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA, 2016).
Die WHO berücksichtigt zusätzlich die Prozess- und Organisationsebene, während die Lernzielkataloge von APS und GMA auf die Tradition der Behavioural Marker setzen – also die Beschreibung konkreter, beobachtbarer und trainierbarer nicht-technischer Fähigkeiten (z.B. Kommunikation, Teamarbeit, Entscheidungsfindung), die überwiegend in Crisis-Resource-Management-Seminaren vermittelt werden.
Ziel dieses Beitrags ist es
- die Behavioural-Marker-Systeme hinsichtlich ihrer Eignung für das medizinische Curriculum zu vergleichen,
- die Implementierung der Interpersonal Competence List (ICL) [3] an der Universitätsmedizin Mainz zu präsentieren und
- die Implikationen für die Lehre im Kontext von NKLM und AO zu diskutieren.
Methoden: Eine systematische Literaturrecherche wurde aktualisiert und um Behavioural-Marker-Systeme aus den 1990er- bis 2010er-Jahren erweitert, um zusätzlich die Lernzielkataloge von APS (2014) [2] und GMA (2016) zu berücksichtigen.
Ergebnisse: Der Abgleich der Lernzielkataloge führte zur Entscheidung die 2012 gestarteten Implementierung der Interpersonal Competence List (ICL) als Behavioural-Marker-System im longitudinalen Lehrkonzept zur Behandlungs- und Patientensicherheit an der Universitätsmedizin Mainz fortzusetzen. Es werden sowohl einführende als auch kompetenzorientierte Veranstaltungen sowie deren Einsatz in der medizinisch-praktischen Kompetenzentwicklung vorgestellt.
Diskussion/Schlussfolgerung: Die bevorstehenden Änderungen des NKLM, die internationale Lernzielkataloge stärker einzubeziehen, und die vom Medizinischen Fakultätentag (MFT) angekündigte Reduktion von Lernzielen im Bereich der übergeordneten Kompetenzen, werden voraussichtlich die Bedeutung von Behavioural Markern in der Ausbildung erhöhen. So bilden sie nicht nur die nicht-technische Skills (NTS) gezielt ab, sondern unterstützen in geeigneter Weise die Entwicklung der im Absolventenprofil geforderten Entrustable Professional Activities (EPAs). Im Vergleich zu anderen Systemen überzeugt die ICL durch hohe Praktikabilität, klare Kriterien und umfassende Abdeckung der NKLM-Kompetenzen.
Interessenkonflikte: Der Autor erklärt, dass er keine Interessenkonflikte in Zusammenhang mit diesem Artikel hat.
References
[1] Bundesministerium für Gesundheit. Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit. Verordnung zur Neuregelung der ärztlichen Ausbildung. Berlin: Bundesministerium für Gesundheit; 2023. Zugänglich unter/available from: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/detail/verordnung-zur-neuregelung-der-aerztlichen-ausbildung[2] Aktionsbündnis Patientensicherheit. Wege zur Patientensicherheit-Lernzielkatalog für Kompetenzen in der Patientensicherheit: eine Empfehlung des Aktionsbündnis Patientensicherheit eV für Institutionen und Lehrende im Bereich der Aus-, Fort-und Weiterbildung der Gesundheitsberufe. Berlin: Aktionsbündnis Patientensicherheit; 2014. Zugänglich unter/available from: https://www.aps-ev.de/wp-content/uploads/2024/06/EmpfehlungAGBuT_Lernzielkatalog_Wege_2014_05_14_neu.pdf
[3] Strelow KU, Allgaier S. 10 Jahre Interpersonal Competence List (ICL) – Die Bewertung von Teamleistungen im Cockpit. In: Felsenreich C, Waleczek H, editors. Teamkompetenzen für sicheres Handeln. Frankfurt: Verlag für Polizeiwissenschaften; 2012. p.179-202.



