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German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

BMI als unabhängiger Risikofaktor für klinische Komplikationen nach Polytrauma

Benjamin Erdle - Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Freiburg im Breisgau, Deutschland
Johanna Mangold - Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Freiburg im Breisgau, Deutschland
Johannes Kalbhenn - Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Freiburg im Breisgau, Deutschland
Thierno Diallo - Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Freiburg im Breisgau, Deutschland
Ferdinand Wagner - Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Freiburg im Breisgau, Deutschland
Julian Maier - Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Freiburg im Breisgau, Deutschland
Hagen Schmal - Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Freiburg im Breisgau, Deutschland; Universitätsklinikum Odense, Klinik für orthopädische Chirurgie, Odense, Dänemark
Nils Mühlenfeld - Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Freiburg im Breisgau, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Adipositas zeigt in seiner global steigenden Inzidenz auch bei Polytrauma-Patienten eine zunehmende Prävalenz mit uneinheitlich beschriebenem Einfluss auf posttraumatische Komplikationen. Hinsichtlich des Einflusses auf die Mortalität werden teilweise paradoxe Auswirkungen beschrieben. Bezüglich des Zusammenhangs mit anderen Komplikationen jenseits der Mortalität ist die Evidenz trotz anzunehmender Beeinflussung posttraumatischer Entzündungsreaktionen und Organfunktionsstörungen spärlich. Ziel dieser Studie war es daher, zu ermitteln, ob der Body-Mass-Index (BMI) ein unabhängiger Prädiktor für spezifische negative klinische Ergebnisse bei Polytrauma-Patienten ist.

Material und Methoden: In dieser retrospektive Kohortenstudie an einem deutschen Level-I-Traumazentrum wurden erwachsene Schockraumpatienten im Zeitraum 2018–2024 mit einem Injury Severity Score (ISS) ≥ 9 und/oder intensivmedizinischer Akutbehandlung eingeschlossen. Primäre Endpunkte waren das Auftreten von Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS), Pneumonie, Sepsis, Multiorganversagen (MOV) und Mortalität während der akutstationären Behandlung. Multivariable logistische Regressionsmodelle wurden adjustiert für BMI, Alter, Geschlecht, ISS und prätraumatischer Morbiditätseinschätzung gemäß ASA-Klassifikation (American Society of Anesthesiologists).

Ergebnisse: Unter 1.514 eingeschlossenen Patienten betrugen die Komplikationsraten für ARDS 2,1%, Pneumonie 16,0%, Sepsis 5,6% und MOV 3,4% bei einer Mortalität von 10,6%. Ein höherer BMI zeigte sich unabhängig assoziiert mit einem erhöhten Risiko für ARDS (adjusted Odds Ratio (aOR) 1,09 pro kg/m², 95%-Konfidenzintervall (KI) 1,01–1,16; p = 0,020), Sepsis (aOR 1,05, 95%-KI 1,00–1,10; p = 0,048) und MOV (aOR 1,10, 95%-KI 1,04–1,17; p < 0,001), wobei Adipositas-Kategorien ≥ I° (BMI ≥ 30 kg/m²) im Vergleich zu Normalgewicht mit signifikant erhöhten Risiken verbunden waren, während für Übergewicht (BMI 25–30 kg/m²) keine Risikozunahme nachgewiesen wurde. Für Pneumonie und Mortalität zeigte sich keine unabhängige Assoziation.

Diskussion und Schlussfolgerung: Ein höherer BMI ist nach einem schweren Trauma unabhängig mit ARDS, Sepsis und Multiorganversagen assoziiert. Dies unterstreicht die Bedeutung des BMI als klinisch relevanten Faktor für die frühe posttraumatische Organfunktionsstörung und verdeutlicht die Notwendigkeit gezielter Überwachungsstrategien bei adipösen Traumapatienten.