German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Vergleich des funktionellen und klinischen Outcomes bei Rupturen der distalen Bizepssehne nach konservativer und operativer Therapie
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die Ruptur der distalen Bizepssehne ist ein häufiges Verletzungsbild, betrifft meist Männer und zeigt eine steigende Inzidenz in den letzten Jahrzehnten. Aufgrund des auftretenden Kraftverlusts für Flexion und Supination ist die Therapie der Wahl zumeist die anatomische Refixation der Sehne. Insbesondere bei älteren Patienten, die keine operative Therapie wünschen oder bei älteren Rupturen stellt sich jedoch die Frage, ob eine operative Versorgung immer notwendig ist und ob der zu erwartende Kraftverlust eine funktionelle Relevanz für die Alltagsaktivitäten darstellt.
Material und Methoden: Von 06/2012 bis 02/2022 wurden 92 Patienten, welche bei distaler Bizepssehnenruptur operativ mittels Ankerrefixation (n=62, 67.4%) und konservativ (n=30, 32.6%) behandelt wurden, in die Studie eingeschlossen. Das Follow-up betrug im Mittel 8.2 ±2.8 Jahre, bei einem min. Follow-up von 2 Jahren. Bei allen Patienten wurde die postoperative Beweglichkeit sowie etablierte funktionelle Scores (Mayo Elbow Performance Score (MEPS), Oxford Elbow Score (OES), Disabilities of Arm, Shoulder and Hand (DASH) Score) erhoben. Für den Vergleich der isokinetischen Kraftmessung (Flexion/Extension und Pronation/Supination im Seitenvergleich) erfolgte ein Propensity-Score-Matching auf Basis der allgemeinen Patientencharakteristika.
Ergebnisse: Allgemeine Patientencharakteristika zeigten sich in beiden Gruppen bezogen auf Geschlecht, ASA-Klassifikation und BMI ohne signifikante Unterschiede homogen verteilt. Patienten, die operativ versorgt wurden waren signifikant jünger (46.6 ±8.7 vs. 56.7 ±10 Jahre, p<0.001). Die postoperative Beweglichkeit wies in der operativen und konservativen Behandlungsgruppe bezogen auf Flexion/Extension (120.8 ±5.3 vs. 119.5 ±2, p=0.216) und Pronation/Supination (173.6 ±11.1 vs. 176.9 ±7, p=0.145) keine signifikanten Unterschiede auf. Auch die subjektive Zufriedenheit und der postoperative Schmerz zeigte sich in beiden Gruppen ohne signifikante Unterschiede. In der klinischen Testung konnten sowohl nach operativer als auch nach konservativer Behandlung sehr gute Ergebnisse für MEPS (98.1 ±6.4 vs. 96.3 ±9.4, p=0.3), OES (45.4 ±5 vs. 44.2 ±5.6, p=0.305) und DASH-Score (4.2 ±8.5 vs. 6.5 ±10.3, p=0.258) nachgewiesen werden. Nach konservativer Therapie zeigte sich in der isokinetischen Messung eine signifikante Kraftreduktion im Vergleich zur Gegenseite von 14% für Flexion und 7% für Supination.
Diskussion und Schlussfolgerung: Sowohl nach konservativer als auch nach operativer Therapie von Rupturen der distalen Bizepssehne lassen sich sehr gute Ergebnisse erzielen. Die Patienten sind über ein Kraftdefizit von etwa 14% für die Flexionsbewegung und 7% für die Supinationsbewegung nach konservativer Therapie aufzuklären. Dies zeigte jedoch keine Auswirkung auf die exzellenten Ergebnisse in den ermittelten Funktionsscores und sind daher von fraglicher klinischer Relevanz. Insbesondere bei älteren Patienten stellt die konservative Therapie eine gute Alternative dar.



