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German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Rekonstruktion vs. Radiuskopfprothese bei komplexen Radiuskopffrakturen

Cornelius Fischer - BG Klinik Tübingen, Tübingen, Deutschland
Johannes Porsche - Carl-von-Basedow-Klinikum Saalekreis, Merseburg, Deutschland
Diane Leyder - BG Klinik Tübingen, Tübingen, Deutschland
Marc-Daniel Ahrend - BG Klinik Tübingen, Tübingen, Deutschland
Tina Histing - BG Klinik Tübingen, Tübingen, Deutschland
Patrick Ziegler - Klinik Gut, Sankt Moritz, Schweiz

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Radiuskopffrakturen der Mason-Johnston-Typen III und IV stellen eine therapeutische Herausforderung dar. Sowohl die Rekonstruktion mittels Osteosynthese (open reduction and internal fixation, ORIF) als auch die Implantation einer Radiuskopfprothese (radial head arthroplasty, RHA) gelten als etablierte Behandlungsoptionen. Aufgrund heterogener Verletzungsmuster besteht bislang keine einheitliche Therapieempfehlung. Ziel dieser Studie war es, den Bewegungsumfang, das funktionellem Outcome, die gesundheitsbezogene Lebensqualität sowie die Arthroseentwicklung nach ORIF versus RHA bei Radiuskopffrakturen zu vergleichen.

Material und Methoden: In diese retrospektive Studie wurden 73 operativ behandelte Patienten mit Radiuskopffrakturen Mason-Johnston-Typ III und IV eingeschlossen (45% Frauen). Bei 51 Patienten erfolgte eine klinische Nachuntersuchung während 22 Patienten mittels standardisierter Fragebögen evaluiert wurden. Erfasst wurden der Bewegungsumfang des Ellenbogens, der American Shoulder and Elbow Surgeons Elbow Score (ASES), der Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand (DASH) Score sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität (SF-36). Der Arthrosegrad wurde anhand serieller Röntgenaufnahmen nach Kellgren-Lawrence beurteilt. Begleitverletzungen, ligamentäre Rekonstruktionen und Komplikationen wurden dokumentiert.

Ergebnisse: Von den Mason-III-Frakturen konnten 80% mittels ORIF versorgt werden, während bei 45% der Mason-IV-Frakturen eine Radiuskopfprothese implantiert wurde. Eine zusätzliche ligamentäre Rekonstruktion war bei Typ-IV-Verletzungen deutlich häufiger erforderlich (67% vs. 30%). In der Gesamtgruppe zeigte die ORIF signifikant bessere funktionelle Ergebnisse mit einem geringeren Extensionsdefizit (−10° vs. −30°, p = 0,003) sowie signifikant höheren ASES- (97 vs. 87 Punkte, p = 0,003) und niedrigeren DASH-Scores (4 vs. 11 Punkte, p = 0,023). Die Subgruppenanalyse bestätigte diese Ergebnisse insbesondere für Mason-IV-Frakturen. Hier zeigte sich nach ORIF ein signifikant geringeres Extensionsdefizit (p = 0,040) sowie signifikant höhere ASES-Scores (p = 0,009) und niedrigere DASH-Scores (p = 0,033). Im mittleren Follow-up von etwa zwei Jahren zeigte sich bei 31% der Patienten eine radiologische Arthroseprogression ≥ 2 Kellgren-Lawrence-Grade, unabhängig von der gewählten Therapie (p = 0,419) oder der Frakturschwere (p = 0,214). Patienten mit zusätzlicher proximaler Ulnafraktur wiesen hingegen signifikant höhere Arthroseraten auf (p = 0,001).

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Rekonstruktion des Radiuskopfes mittels Osteosynthese erzielte in diesem Kollektiv im Vergleich zur Radiuskopfprothese bessere funktionelle Ergebnisse und eine höhere gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Radiuskopffrakturen. Die Arthroseentwicklung war im kurzfristigen Verlauf unabhängig vom gewählten Operationsverfahren vergleichbar. Begleitverletzungen, insbesondere proximale Ulnafrakturen, haben einen negativen Einfluss auf die posttraumatische Arthroseentwicklung.