German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Langlebigkeit der Superior-Capsule-Rekonstruktion bei irreparablen Rotatorenmanschettenrissen: 8 bis 10-Jahres-Follow-up mit azellulärem porzinen Dermal-Xenograft
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die Superior-Capsule-Rekonstruktion (SCR) ist ein chirurgisches Verfahren zur Rekonstruktion oder Stabilisierung der oberen Kapselstrukturen des Schultergelenks bei Patient:innen mit irreparablen Rotatorenmanschettenrissen. Dabei wird ein Gewebetransplantat (azellulärer porziner Dermal-Xenograft) verwendet, um die geschädigte oder fehlende obere Kapsel zu ersetzen oder zu verstärken. Kurzzeitstudien (bis 24 Monate) zeigten eine Verbesserung der Schulterfunktion, Schmerzreduktion und signifikante Verbesserungen der Beweglichkeit (Altintas et al., 2020). Gleichzeitig waren die Ausfallraten des Transplantats vergleichsweise hoch. Langzeitstudien zur Stabilität der Ergebnisse liegen bisher nicht vor. Diese Untersuchung präsentiert ein Follow-up von bis zu 10 Jahren einer vorherigen 2-Jahres-Kohorte von 26 Patient:innen, die zwischen 2016 und 2017 eine SCR erhalten hatten.
Material und Methoden: Insgesamt 26 Patient:innen (6 Frauen; Alter: 64,0 ± 8,8 Jahre; BMI: 26,9 ± 3,7) mit irreparablen Rotatorenmanschettenrissen, die mit SCR behandelt wurden, wurden zwischen 2016 und 2019 eingeschlossen und zu einer Nachuntersuchung 8 –10 Jahre nach der Operation im Januar/Februar 2026 eingeladen. Patient:innen, die nicht persönlich erscheinen konnten, wurden gebeten, die klinischen Fragebögen per Post auszufüllen. Erhobene patientenberichtete Outcomes (PROMs) umfassten ASES, VAS, SANE und VR-12 und wurden präoperativ sowie 3, 6, 12, 24, 60 Monate postoperativ und beim späten Follow-up (8 –10 Jahre) erfasst. Postoperative MRT-Untersuchungen wurden zur Beurteilung des Transplantats durchgeführt, Röntgenaufnahmen zur Bewertung der superioren Humeruskopf-Migration. Zusätzlich wurden Bewegungsumfang (ROM) und Painful Arc-Test erhoben.
Ergebnisse: Von 26 Patient:innen wurden 22 im 5-Jahres-Follow-up untersucht; 6 Patient:innen gingen innerhalb der ersten zwei Jahre verloren. Schulterfunktion (ASES, SANE) und Schmerzen (VAS) verbesserten sich signifikant nach zwei Jahren und blieben nach fünf Jahren stabil. ASES-Index stieg von 47,1 ± 14,7 auf 83,1 ± 17,0 (p < .001; ES: 0,59), SANE von 33,6 ± 20,4 auf 73,6 ± 26,0 (p < .001; ES: 0,51), VAS von 4,3 ± 2,5 auf 1,4 ± 1,7 (p < .001; ES: 0,27). Für das späte Follow-up standen 13 Patient:innen persönlich zur Verfügung, 3 beantworteten lediglich die Fragebögen, was eine Rücklaufquote von 61,5% nach 9–10 Jahren bei einem mittleren Alter von 74 Jahren ergibt. Späte klinische PROMs sowie objektive Messungen von Schulterbeweglichkeit und -funktion zeigten nahezu volle Funktionalität der betroffenen Schulter, obwohl in zwei Dritteln der Fälle das Transplantat nach 9–10 Jahren nicht mehr intakt war.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die vorliegende Fallstudie zeigt, dass bei Patient:innen > 60 Jahren mit irreparablen Rotatorenmanschettenrissen die SCR unter Verwendung eines azellulären porzinen Dermal-Xenografts auch langfristig zufriedenstellende klinische und funktionelle Ergebnisse erzielt – trotz hoher Transplantatausfallrate.



