German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Die Paprosky-Klassifikation in Zeiten der 3D-Bildgebung: Validierung anhand einer neuen dreidimensionalen, statistischen Darstellung von azetabulären Defekten
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die Paprosky-Klassifikation ist trotz ihres zweidimensionalen, röntgenbasierten Ursprungs die vermutlich meistverwendete Klassifikation zur Beurteilung azetabulärer Defekte, ihre Reliabilität und Validität im Zeitalter der 3D-Bildgebung werden jedoch kontrovers diskutiert. Ziel dieser Studie war es, (1) die Übereinstimmung der Paprosky-Klassifikation auf a.p.-Beckenaufnahmen mit dem tatsächlichen dreidimensionalen Defektmuster zu prüfen und (2) mithilfe statistischer 3D-Defektmodelle zu untersuchen, ob sich die Paprosky-Gruppen im Volumen (siehe Tabelle 1 [Tab. 1]) und in der räumlichen Verteilung differenzieren lassen und wie sich dies auf die Implantatwahl auswirkt.
Tabelle 1: Volumen der 3D-Defektmodelle
Material und Methoden: In eine retrospektive Kohorte gingen 47 azetabuläre Defekte im Rahmen von Hüftgelenkendoprothesenrevisionen ein. Zwei erfahrene Orthopäden klassifizierten die Defekte unabhängig nach Paprosky auf präoperativen a.p.-Röntgenbildern und der 3D-Beckenrekonstruktion zur Implantatplanung. Anschließend erfolgte eine krümmungsbasierte 3D-Rekonstruktion der Defektvolumina zur Erstellung der Frequenzkarten. Für jede Paprosky-Untergruppe wurden statistische 3D-Frequenzkarten und normierte 2D-Schnittpanels erstellt (Abbildung 1 [Abb. 1]), anatomische und geometrische Sektorenanalysen durchgeführt und die Fälle nach konventionellen Revisionspfannen versus patientenspezifischen Monoblock-Implantaten stratifiziert.
Ergebnisse: Die Paprosky-Klassifikation zeigte eine substanzielle Interobserver-Reliabilität (Cohen’s κ = 0,677) der Vergleich von 2D- und 3D-Befund ergab eine weitgehende Übereinstimmung, wobei in zwei Fällen das Defektausmaß im Röntgen unterschätzt wurde (3D: je ein 3a- bzw. 3b- statt 2c-Defekt). Die 3D-Frequenzkarten bestätigten die typischen Muster der Stadien (2a: kranial-mediale Kavitation, 2b: superolateraler Randausfall, 2c: mediale Defekte, 3a: „up and out“, 3b: „up and in“ mit medialer Wandbeteiligung), zeigten jedoch fließende Übergänge insbesondere zwischen 2a/2c und 2b/3a. In der Sektorenanalyse häuften sich individualisierte Implantate bei volumetrisch großen, medial betonten Defekten höherer Stadien.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die Paprosky-Klassifikation bleibt auch in der 3D-Ära ein gültiges und praktikables Gerüst zur Beschreibung azetabulärer Defekte, da ihre qualitativ definierten Muster durch volumetrische 3D-Analysen weitgehend bestätigt werden. Gleichzeitig legt das kontinuierliche 3D-Morphologiespektrum nahe, dass eine zukünftige, hybride Klassifikation mit quantitativen Volumen- und Richtungsparametern die Implantatwahl und die patientenspezifische Revisionsplanung weiter präzisieren könnte.




