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German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Diagnostischer Nutzen immunhistochemischer Marker bei der Abgrenzung infektassoziierter Pseudarthrosen

Simon Krämer - Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Bonn, Bonn, Deutschland
Sebastian Scheidt - Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Bonn, Bonn, Deutschland
Jan-Frederic Lau - Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Bonn, Bonn, Deutschland
Glen Kristiansen - Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Bonn, Bonn, Deutschland
Kristian Welle - Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Bonn, Bonn, Deutschland
Davide Cucchi - Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Bonn, Bonn, Deutschland
Amadeo Touet - Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Bonn, Bonn, Deutschland
Alexander Seuser - Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Bonn, Bonn, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die Differenzierung zwischen infektassoziierter und aseptischer Pseudarthrose ist entscheidend für die Therapieplanung, bleibt jedoch trotz etablierter klinischer, mikrobiologischer und histopathologischer Verfahren häufig unklar. Bei inkonklusiven Befunden wird in der klinischen Praxis häufig ein mehrzeitiges Vorgehen mit Materialentfernung und radikalem Débridement der Pseudarthrose gewählt, um eine bessere Differenzierung zwischen infiziertem und nicht infiziertem Gewebe zu ermöglichen. Dennoch sind auch diese Befunde nicht in allen Fällen eindeutig, obwohl sie maßgeblich für die weitere Therapieentscheidung sind. Von der Infektbeurteilung hängen sowohl das Intervall und die Dauer einer antiinfektiven Behandlung als auch der Zeitpunkt einer erneuten Osteosynthese ab. Aufbauend auf einer vorbestehenden Untersuchung zu periprothetischen Infektmembranen, in der die Marker CRP, PAX2, Kollagen II und Kollagen IV eine differenzierende Aussagekraft zeigten, wurde untersucht, ob diese Marker auch bei Pseudarthrosen zur Abgrenzung infektassoziierter Verläufe beitragen können.

Material und Methoden: In einer retrospektiven Analyse wurden 40 archivierte Gewebeproben von Patient:innen mit operativ versorgter Pseudarthrose (2015–2025) untersucht. Die initiale Einteilung in infektassoziierte und aseptische Kohorten erfolgte anhand etablierter FRI-Kriterien. Als beweisend galten: (1) mikrobiologischer Nachweis desselben Erregers in mindestens zwei tiefen Gewebeproben, (2) histopathologischer Nachweis eines ausgeprägten neutrophilen Infiltrats bzw. von Mikroorganismen sowie (3) das Vorliegen einer Fistel oder eines intraoperativ sichtbaren Abszesses. Ergänzend wurden klinische Entzündungszeichen, laborchemische Parameter (CRP, Leukozyten) in die Gesamtbewertung einbezogen. Die immunhistochemische Auswertung von CRP, PAX2, Kollagen II und IV erfolgte semiquantitativ mittels standardisierter Färbescores und Zellzählung pro High-Power-Field; die Analyse war überwiegend deskriptiv.

Ergebnisse: Es zeigten sich Unterschiede zwischen den Kohorten hinsichtlich der Färbescores der untersuchten Marker. Infektassoziierte Pseudarthrosen wiesen insgesamt veränderte Expressionsmuster im Vergleich zu aseptischen Verläufen auf. Die Daten deuten auf gruppenspezifische immunhistochemische Profile hin.

Diskussion und Schlussfolgerung: Gerade bei diagnostisch uneindeutigen Fällen kann die immunhistochemische Analyse des im Rahmen der initialen Materialentfernung gewonnenen Pseudarthrosegewebes eine zusätzliche Entscheidungshilfe darstellen. Im Kontext eines geplanten zweizeitigen Vorgehens könnte diese Methode dazu beitragen, das weitere therapeutische Regime – einschließlich Infektsanierung und Rekonstruktionszeitpunkt – gezielter zu steuern. Die Ergebnisse sprechen für einen ergänzenden Einsatz immunhistochemischer Marker im multimodalen Diagnostikalgorithmus. Prospektive Studien mit größeren Fallzahlen sind erforderlich, um die klinische Implementierung weiter zu validieren.