German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Die Implementierung einer Standardarbeitsanweisung ist mit einer Verbesserung der Vancomycin-Zielwerte bei Knochen- und Gelenkinfektionen assoziiert: Eine Prä-Post-Studie
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Intravenöses Vancomycin spielt eine bedeutende Rolle in der Behandlung von Protheseninfektionen, Osteomyelitiden und implantatassoziierten Infektionen; in der klinischen Praxis werden jedoch die therapeutischen Zielwerte häufig verfehlt. Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, ob eine Standardarbeitsanweisung (SOP) die Zielwerterreichung und Dosierungseffizienz verbessert. Primärer Endpunkt war der Anteil der Talspiegel im Zielbereich von 15–20 mg/L.Sekundäre Endpunkte waren:
- Auftreten einer vancomycin-assoziierten Nephrotoxizität (VA-AKI), definiert gemäß KDIGO-Kriterien- Anzahl der Messungen bis zum Erreichen des ersten Vancomycin-Talspiegels im Zielbereich,
- Anzahl der erforderlichen Dosisanpassungen während der Vancomycin-Therapie, um im therapeutischen Zielbereich zu bleiben.
Material und Methoden: Monozentrische, nicht randomisierte Prä-Post-Studie in einer orthopädischen Abteilung. Die SOP umfasste eine gewichtsadaptierte Initialdosis, eine an die Nierenfunktion angepasste Erhaltungsdosierung, einen Talspiegel-Zielbereich von 15–20 mg/L sowie ein festgelegtes therapeutisches Drug Monitoring (TDM). Eingeschlossen wurden Erwachsene, die ≥72 Stunden intravenöses Vancomycin erhielten; Patient:innen mit schwerem Nierenversagen oder unvollständigem TDM wurden ausgeschlossen. Die Prä-SOP-Daten wurden retrospektiv, die Post-SOP-Daten prospektiv erhoben (03/2024–06/2025).
Ergebnisse: Insgesamt wurden 154 Patient:innen eingeschlossen (Prä-SOP n=58; Post-SOP n=96); die Basischarakteristika waren weitgehend vergleichbar. Der Einsatz einer gewichtsadaptierten Initialdosis stieg von 31,0% vor SOP auf 100% nach SOP (p<0,001). In der ersten Talspiegelkontrolle lagen 17,2% vs. 26,0% im Zielbereich von 15–20 mg/L (p=0,238). Über insgesamt 847 Talspiegelmessungen (Prä = 319; Post = 528) erhöhte sich der Anteil im Zielbereich von 28,2% auf 41,7%; subtherapeutische Werte nahmen von 38,2% auf 26,3% ab, während supratherapeutische Werte einen geringen Rückgang zeigten (33,5% → 32,0%). Die Zeit bis zum ersten Talspiegel im Zielbereich verkürzte sich im Median von 4 auf 2 Messungen (Log-Rank p<0,001). Post-SOP-Messungen wiesen eine höhere Wahrscheinlichkeit auf, im Zielbereich zu liegen (adjustierte Odds Ratio 1,68; 95%-KI 1,29–2,20; p<0,001). Die Anzahl der Dosisanpassungen pro Patient:in sank im Mittel von 4,0 auf 2,48 (p<0,001).
Diskussion und Schlussfolgerung: Die Implementierung einer SOP für intravenöses Vancomycin war mit einer signifikanten Verbesserung des Anteils an Talspiegeln im therapeutischen Zielbereich, assoziiert. Darüber hinaus nahmen subtherapeutische Messwerte ab, Zielspiegel wurden schneller erreicht und die Anzahl erforderlicher Dosisanpassungen pro Patient reduzierte sich. Gleichzeitig zeigte sich eine verbesserte Arzneimittelsicherheit. Trotz Limitationen des Prä-Post-Designs und der talspiegelbasierten Dosierung unterstützen diese Ergebnisse eine protokollbasierte Implementierung als praktikablen Ansatz zur Optimierung der Vancomycin-Exposition in der orthopädischen Versorgung.



