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German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Postoperative Dislokation des Trochanter minor als Ursache für Gefäss- und Nervenverletzungen nach intramedullärer Nagelosteosynthese bei pertrochantären Femurfrakturen: Eine retrospektive Fallstudie

Isa-Maria Schlüter - Kantonsspital Baselland, Universitäres Zentrum Bewegungsapparat, Klinik für Orthopädie und Traumatologie, Bruderholz, Schweiz
Georg-Antonio Bernecker - Kantonsspital Baselland, Universitäres Zentrum Bewegungsapparat, Klinik für Orthopädie und Traumatologie, Bruderholz, Schweiz
Christophe Rouden - Kantonsspital Baselland, Zentrum für Herz-, Gefäss- und Thoraxchirurgie, Liestal, Schweiz
Andrej M. Nowakowski - Kantonsspital Baselland, Universitäres Zentrum Bewegungsapparat, Klinik für Orthopädie und Traumatologie, Bruderholz, Schweiz
Adrian Stuetzle - Kantonsspital Baselland, Universitäres Zentrum Bewegungsapparat, Klinik für Orthopädie und Traumatologie, Bruderholz, Schweiz
Massimo Ruffo - Kantonsspital Baselland, Zentrum für Altersmedizin und Rehabilitation, Bruderholz, Schweiz
Ulf Quaeschling - Kantonsspital Baselland, Institut für Radiologie und Nuklearmedizin, Bruderholz, Schweiz
Christian B. Frank - Kantonsspital Baselland, Universitäres Zentrum Bewegungsapparat, Klinik für Orthopädie und Traumatologie, Bruderholz, Schweiz

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Pertrochantäre Femurfrakturen zählen zu den häufigsten Frakturen des älteren Menschen. Mit einer Inzidenz von ca. 109–140/100.000 Einwohnern pro Jahr sind sie die zweithäufigste proximale Femurfraktur in Deutschland und der Schweiz. In weniger als 1% der Fälle kommt es postoperativ zu vaskulären oder neurologischen Komplikationen. Ziel dieser retrospektiven Analyse war die Beschreibung der Verläufe, Risikofaktoren, klinischen Präsentationen, Zeitpunkte der Diagnostik, Fallstricke sowie Behandlungsergebnisse bei Auftreten einer Gefäss- oder Nervenverletzung nach intramedullärer Stabilisierung.

Material und Methoden: Es erfolgte eine retrospektive Untersuchung aller Patienten mit perioperativer Gefäss- oder Nervenläsion, die zwischen 2023–2025 aufgrund einer pertrochantären Femurfraktur mittels intramedullärer Nagelosteosynthese versorgt wurden. Analysiert wurden demographische Daten, initiales Frakturmuster, klinische Symptomatik, Zeitpunkt der Diagnostik, therapeutische Interventionen, funktionelle Ergebnisse sowie Einfluss- und Risikofaktoren, die eine solche Komplikation begünstigten.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 574 Patienten mit einem intramedullären Kraftträger versorgt. Bei vier Männern (4/574; 0,7%) kam es zu einer vaskulären oder neurologischen Komplikation im Sinne einer Verletzung der A. profunda femoris mit Bildung eines Aneurysma spuriums oder einer Nervenläsion des N. femoralis. Die klinische Präsentation umfasste therapierefraktäre, teils neuropathische, nicht abklingende und mit Bewegung zunehmende Schmerzen sowie Funktionseinschränkungen bis Paresen. Alle Patienten zeigten ein trianguläres, rotiertes Trochanter-minor-Fragment mit Migration in Richtung der Femoralisgabel. Nach Diagnostik mittels Sonographie, konventionellem Röntgen sowie CT-Bildgebung inkl. Angio-CT erfolgte bei allen Patienten die Teilresektion des Fragments in einem interdisziplinären Eingriff. Durch die Paresen des N. femoralis mit monatelang erschwerter Mobilisation und bestehenden neuropathischen Schmerzen, die den Allgemeinzustand stark beeinflussten, kam es zu prolongierten Verläufen.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die postoperative Dislokation des Trochanter-minor-Fragments stellt eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Komplikation nach Marknagelosteosynthese dar. Alle Fälle zeigten eine typische Migration des Fragmentes in die Femoralisgabel. Ob die anatomische Situation der Femoralisgabel als solche oder der Umstand, dass nur Männer betroffen waren, eine Rolle spielte, wäre zu diskutieren. Die Schmerzcharakteristik mit neuropathischer Komponente, erschwertem Ansprechen auf die üblichen Medikamente, lähmungsassoziierte Kontrollverluste und konsekutiv geschilderte Sturzangst sowie das engrammartige Röntgenbild sollten an diese rare Komplikation denken lassen. Ein erhöhtes Bewusstsein für diese Komplikation, insbesondere bei Frakturen des älteren Menschen, scheint angebracht. Die Indikation zur primären Refixation des Minor-Fragments bei Hochrisikopatienten sollte dennoch kritisch bedacht werden.