Logo

German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Diskrepanzen in den lokaltherapeutischen Behandlungsstrategien von Ewing-Sarkomen – Ergebnisse einer europaweiten Studie des Euro-Ewing-Konsortiums

Dimosthenis Andreou - Klinik für Tumororthopädie und Sarkomchirurgie, Institut für Interdisziplinäre Sarkomtherapie und Forschung, Essen, Deutschland
Philipp Funovics - Allgemeines Krankenhaus der Stadt Wien, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich
Krzysztof Bronowicki - Department of Oncology and Surgical Oncology for Children and Youth, Institut of Mother and Child, Warsaw, Polen
Isidro Gracia - Hospital de la Sant Creu i Sant Pau, Barcelona, Spanien
Lizz van der Heijden - Princess Máxima Center for Pediatric Oncology, Utrecht, Niederlande
Michael Mørk Petersen - Rigshospitalet, University of Copenhagen, Copenhagen, Dänemark
Thomas Schubert - Cliniques universitaires Saint-Luc, Brusseles, Belgien
Olga Zaikova - Oslo University Hospital, Oslo, Norwegen
Jendrik Hardes - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Tumororthopädie und Sarkomchirurgie, Essen, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Viele Aspekte der lokaltherapeutischen Behandlungsstrategien von Patient:innen mit Ewing-Sarkomen (ES) basieren sich auf Expertenmeinungen und kleinen retrospektiven Studien. Ziel dieser Studie war es, Diskrepanzen in der Lokaltherapie von ES in Europa zu evaluieren und damit eine Grundlage für zukünftige Forschungsprojekte zu schaffen.

Material und Methoden: Die chirurgische Gruppe des Euro-Ewing-Konsortiums (EEC) entwickelte einen strukturierten Querschnitt-Fragebogen zu verschiedenen diagnostischen und lokaltherapeutischen Aspekten, der 80 Fragen in 5 Abschnitten beinhaltete. Der Fragebogen wurde durch eine Subgruppe von 9 Tumororthopäd:innen validiert und anschließend an chirurgisch tätige EEC-Mitglieder und Abonnenten des EEC-Newsletters verschickt. Die Datensammlung fand zwischen April 2024 und Oktober 2025 statt. Die Auswertung erfolgte deskriptiv zur explorativen Darstellung aktueller klinischer Praxis.

Ergebnisse: 63 Tumororthopäd:innen aus 21 europäischen Ländern haben den Fragebogen ausgefüllt. 69% waren seit >10 Jahren und 33% seit >20 Jahren als Fachärzt:innen tätig. Sie arbeiteten hauptsächlich an großen Zentren, wo 2-5 ES-Resektionen (37%) bzw. 6-10 ES-Resektionen (32%) pro Jahr stattfinden. 62% der Befragten gaben an, Zugang an nationalen Referenz-Tumorboards für komplexe Fälle zu haben. Bei 17/19 Fragen zur Diagnostik und bei 18/24 lokaltherapeutischen Fragen zeigten sich erhebliche Diskrepanzen in den bevorzugten Behandlungsalgorithmen. So gaben lediglich 65% bzw. 57% der Befragten an, ein Kompartment-MRT vor der Biopsie bzw. vor der Tumorresektion durchzuführen. Die histologische Sicherung erfolgt vorzugsweise mittels bildgebend-gestützter Stanzbiopsie in 60% und mittels Inzisionsbiopsie in 40% der Zentren. 22% der Befragten führen zusätzlich standardmäßig eine Liquid Biopsy bei allen Patient:innen durch. Die Resektionsplanung in den Weichteilen erfolgt anhand des post-chemotherapeutischen MRTs bzw. des prä-chemotherapeutischen MRTs bei 65% bzw. 35% der Befragten. Der geplante Resektionsabstand im Knochen variierte stark zwischen <1 und >3 cm anhand des prä- oder post-chemotherapeutischen MRTs. 57% der Befragten würden einen geringeren als normalerweise geplanten Resektionsabstand im Knochen akzeptieren, um eine bessere Rekonstruktion zu ermöglichen, 42% allerdings nur in Kombination mit einer perioperativen Strahlentherapie. Die Meinungen der Befragten bezüglich der Sinnhaftigkeit einer perioperativen Strahlentherapie nach kompletter Remission von extraskelettalen ES unter der neoadjuvanten Chemotherapie und von temporären Spacern vor individuellen Rekonstruktionen war ebenfalls gespalten.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Befragungsergebnisse spiegelten erhebliche Diskrepanzen in den aktuellen Behandlungsalgorithmen von ES in Europa wider. Die Ergebnisse dieser Studie unterstützen die systematische Evaluation von Aspekten der Lokaltherapie in den zukünftigen prospektiven/randomisierten Therapieoptimierungsprotokollen.