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German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Hill-Sachs-Breite und Off-Track-Läsionen als Prädiktoren der Schulterinstabilität im Langzeit Follow-Up

Philipp Zehnder - Unfallchirurgie Klinikum rechts der Isar, München, Deutschland
Felix Bayer - Muskuloskelletales Universitätszentrum am LMU Klinikum, Unfallchirurgie Klinium rechts der Isar, München, Deutschland
Markus Schwarz - Unfallchirurgie Klinikum rechts der Isar, München, Deutschland
Peter Biberthaler - Unfallchirurgie Klinikum rechts der Isar, München, Deutschland
Lukas Willinger - Sporthorthopädie am Klinikum rechts der Isar, München, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die anteriore Schulterluxation ist trotz operativer Versorgung häufig mit einem relevanten Risiko für eine Re-Luxation verbunden. Neben patientenspezifischen Faktoren gelten knöcherne Defekte – insbesondere der glenoidale Knochenverlust (GBL) und die Hill-Sachs-Läsion (HSL) – als zentrale Risikofaktoren. Ziel dieser Studie war es, den Einfluss knöcherner Parameter auf Reluxationen sowie deren Bedeutung für das funktionelle Langzeit-Outcome zu untersuchen.

Material und Methoden: In dieser retrospektiven Kohortenstudie mit prospektiver Befragung wurden Patienten eingeschlossen, die sich zwischen 2011–2020 mit einer anteroinferioren Schulterluxation in unserer Notaufnahme vorstellten und eine vollständige CT- bzw. MRT-Schnittbildgebung erhielten. Erhoben wurden GBL, HSL-Breite/-Tiefe, Glenoidversion und knöcherne Glenoidtiefe. Anschließend wurden diese hinsichtlich einer On-/Off-Track Läsion eingeteilt. Ein zweiter Gruppenvergleich wurde innerhalb der primär konservativen und primär operativ versorgten Patienten durchgeführt. Funktionelle Ergebnisse wurden mittels WOSI-Index und Rowe-Score erhoben. Mittelwerte wurden mittels unabhängiger t-Tests bzw. nichtparametrischer Verfahren verglichen, Risikofaktoren wurden multivariat analysiert. Statistische Signifikanz wurde mit p < 0,05 angenommen.

Ergebnisse: 114 von 359 Patienten (Alter 44,9 ± 19 Jahre, weiblich: 36%, Follow-Up Rate: 44,4 %, Follow-Up Zeit: 99,7 ± 81 Monate) konnte eingeschlossen werden. Die Gesamtreluxationsrate lag bei 31,6%. Primär konservativ behandelte Patienten wiesen signifikant höhere Reluxationsraten auf als primär operativ behandelte (48,9% vs. 17,9%; p < 0.001). Off-Track-Läsionen zeigten in eine deutlich erhöhte Instabilitätsrate (konservativ: 48,9%, operativ: 17,9%, p < 0.01). In der multivariaten Analyse waren jüngeres Alter (p < 0.001), HSL-Breite (p = 0.002) sowie die primär konservative Therapieform (p < 0.001) unabhängige Prädiktoren für eine Reluxation. Die HSL-Breite erwies sich als stärkster knöcherner Risikofaktor, wobei die ROC-Analyse Cut-off-Werte von 9,3 mm (konservativ) und 11,4 mm (operativ) ergab. Ein tieferes Glenoid korrelierte signifikant mit besseren funktionellen Ergebnissen.

Diskussion und Schlussfolgerung: Knöcherne Defekte – insbesondere die Hill-Sachs-Breite und eine vorliegende Off-Track-Läsion – sind entscheidende Prädiktoren für persistierende Instabilität nach anteroinferiorer Schulterluxation. Die primär konservative Therapie ist mit einem deutlich erhöhten Risiko für Reluxationen assoziiert. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer präzisen bildgebenden Analyse humeraler und glenoidaler Defekte, um bei risikobehafteten Konstellationen frühzeitig eine adäquate operative Stabilisierung in Erwägung zu ziehen. Das Glenoid-Track-Konzept und insbesondere die Hill-Sachs-Läsion bieten hierfür eine klinisch relevante Grundlage und sollte konsequent in die Entscheidungsfindung integriert werden.