Logo

German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Welche Items zählen wirklich? Eine prospektive Subgruppenanalyse von MEPS, OES und DASH bei Ellenbogenverletzungen

Anna Patricia Egert - Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Deutschland
Tim Jakobi - Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Deutschland
Anne Bauer - Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Deutschland
Finn Lunscken - Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Deutschland
Matthias Sauter - Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Deutschland
Matthias Münzberg - Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Deutschland
Alexander Klug - Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Patient-reported outcome measures (PROMs) sind ein zentrales Instrument in der Bewertung von Behandlungsergebnissen aus Patientensicht nach Ellenbogenverletzungen. Gängige Scores wie der Mayo Elbow Performance Score (MEPS), der Oxford Elbow Score (OES) und der Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand Score (DASH) sind umfangreich und die Anwendung ist im klinischen Alltag aufgrund der Komplexität limitiert. Ziel dieser Studie war es daher, die Wichtigkeit einzelner Items der genannten Scores aus Patientensicht zu erfassen und Grundlagen für praktikablere Kurzskalen zu schaffen.

Material und Methoden: In dieser prospektiven Studie bewerteten 106 Patientinnen und Patienten (51 ±13 Jahre; 50 ♀, 56 ♂) die Wichtigkeit einzelner Items aus MEPS, OES und DASH auf einer numerischen Skala von 1–10 (1 geringste Wichtigkeit, 10 größte Wichtigkeit). Subgruppenanalysen erfolgten nach Alter, Geschlecht, Versicherungsstatus (berufsgenossenschaftlich (BG) vs. nicht BG) und Beruf (körperlich tätig vs. sitzende Tätigkeit vs. berentet). Des Weiteren wurden die Items thematisch in die Bereiche Schmerz, Alltag, Funktion und Freizeit gegliedert.

Ergebnisse: Bei allen Patienten zeigte sich die Beweglichkeit des Ellenbogens als wichtigstes Item (p < 0,001), gefolgt von Stabilität und der Fähigkeit zu essen. Die geringste Relevanz zeigten das Musizieren, Schreiben sowie sexuelle Aktivitäten (p < 0,001). In der Subgruppenanalyse variierten Prioritäten nach Alter: Jüngere Patienten bewerteten alltagsbezogene Funktionen (DASH) höher. Mit dem Alter gewannen Beweglichkeit, Stabilität und Schmerz (MEPS) an Bedeutung. Geschlechtsspezifisch priorisierten Frauen den Einfluss auf Alltag und Arbeit, Männer die Beweglichkeit. Zwischen BG- und Nicht-BG-Patienten zeigten beide Gruppen hohe Relevanz für Beweglichkeit und Stabilität. Die thematische Item-Unterteilung ergab keine signifikanten Unterschiede (p = 0,078). Berufsspezifisch bewerteten körperlich Tätige (v.a. Handwerk) Druck- oder Stoßbelastungen signifikant höher.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Bedeutung einzelner Ellenbogen-Items variiert je nach Alter, Geschlecht, Versicherungsstatus und Beruf. Funktionelle Items wie Beweglichkeit und Stabilität sind jedoch über alle Subgruppen hinweg von zentraler Bedeutung. Die in dieser Studie besonders relevanten Items werden durch etablierte Scores wie MEPS und DASH grundsätzlich abgebildet. Während der MEPS die zentralen Aspekte fokussiert erfasst, ist der DASH deutlich umfangreicher und enthält aus Patientenperspektive auch Items mit geringer Relevanz. Dies verdeutlicht die eingeschränkte Praktikabilität umfassender Scores im klinischen Alltag und unterstreicht den Bedarf an verkürzten, patientenzentrierten Erhebungsinstrumenten. Die vorliegenden Ergebnisse unterstützen daher die Entwicklung differenzierter Kurzskalen, die zentrale funktionelle Kernparameter effizient abbilden, jedoch die Aussagekraft nicht reduzieren.