German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Einfluss der Sekundärverlegung in ein überregionales Traumazentrum auf das Outcome nach Polytrauma
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Ziel dieser Arbeit war es, die Unterschiede in der Versorgung und dem Ergebnis von Polytraumapatienten zu untersuchen, die entweder nach primärer Stabilisierung in einem Regionalen oder Lokalen Traumazentrum zur weiteren Therapie in ein Überregionales Traumazentrum verlegt oder primär in diesem aufgenommen wurden.
Material und Methoden: Diese retrospektive monozentrische Studie sammelte Daten von 438 Patienten, die zwischen 2018 und 2020 in unserem Überregionalen Traumazentrum der Stufe 1 behandelt wurden. Einschlusskriterien waren ein ISS ≥16 und die Aufnahme über den Schockraum. Diese wurden in primär versorgte Patienten (Gruppe A) oder sekundär in unser Traumazentrum verlegte Patienten (Gruppe B) unterteilt. Behandlungsdaten aus dem erstversorgenden Haus wurden vor Ort in der Krankenakte eingesehen und dokumentiert.
Ergebnisse: Die Analyse zeigte, dass die beiden Gruppen A (n=259) und B (n=179) aufgrund demografischer Unterschiede (Alter, ASA-Score, Ort der Verletzung) hinsichtlich des Ergebnisses nur bedingt vergleichbar waren. Die deutlich ältere Gruppe B war hauptsächlich durch stumpfe Traumata aufgrund von Stürzen mit geringer Unfallenergie und Kopfverletzungen gekennzeichnet. Die durchschnittliche Behandlungszeit für die Primärversorgung mit Sekundärtransfer betrug mehr als 5 Stunden, was die Frage aufwirft, ob Polytraumapatienten von einer direkten Versorgung in einem Überregionalen Traumazentrum profitieren könnten. Die Studie zeigte auch, dass der RISC II ein zuverlässiges Instrument zur Vorhersage des Mortalitätsrisikos auch für überwiesene Patienten darstellt. Leider wurde in der Versorgung von Regionalen und Lokalen Traumazentren häufig eine unzureichende Dokumentationsqualität festgestellt. Insbesondere die Blutgasanalyse und das Serumbilirubin fehlten in den Behandlungsunterlagen häufig und konnten nicht nachträglich erfasst werden.
Diskussion und Schlussfolgerung: Angesichts des deutlichen Rückgangs der Sterblichkeit nach Polytrauma gewinnt der Aspekt der Lebensqualität zunehmend an Bedeutung und eine optimale Versorgung ist daher unerlässlich. Es stellt sich die Frage, ob Polytraumapatienten, zumindest in einem Ballungsraum, nicht primär in ein überregionales Traumazentrum aufgenommen werden sollten, um mögliche zeitaufwändige Sekundärverlegungen zu vermeiden. Insbesondere Patienten mit traumatischen Hirnverletzungen könnten von einer hochwertigen Versorgung profitieren, die ihr posttraumatisches Ergebnis durch zeitoptimierte Direktversorgung verbessert.



