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German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Analyse kindlicher SAV-Fälle: Retrospektive Auswertung in einem Haus der universitären Maximalversorgung

Sina Pilling - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie UKM, Münster, Deutschland
Moritz F. Lodde - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie UKM, Münster, Deutschland
Michael Raschke - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie UKM, Münster, Deutschland
J. Christoph Katthagen - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie UKM, Münster, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die medizinische Versorgung nach Arbeits- und Wegeunfällen wird durch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) gesteuert (sog. Heilverfahren). Abhängig von der Schwere der Gesundheitsschäden erfolgt die Zuordnung zu folgenden Versorgungsstrukturen: Durchgangsarztverfahren/DAV, Verletztenartenverfahren/VAV, Schwerstverletztenartenverfahren/SAV. Neben akuten Schwerstverletzungen (SAV 1–10) umfasst das SAV auch sekundäre, komplikationsbedingte Verläufe (SAV 11). Das Ziel dieser Arbeit liegt in der Analyse der SAV-Fälle im Kindesalter.

Material und Methoden: Es erfolgte die retrospektive Datenauswertung aller Kinder bis zur Vollendung des 15. Lebensjahres, die im Zeitraum 01.01.2022–31.12.2023 stationär in einem universitären Maximalversorger behandelt wurden. Die Zuordnung der Fälle erfolgte anhand des Verletztenartenverzeichnisses unter Verwendung der entsprechenden ICD-10-GM-Codes. Dabei wurden Erstdiagnosen mit den im weiteren Verlauf aufgetretenen komplikationsbedingten Wiedervorstellungen verglichen.

Ergebnisse: Im Untersuchungszeitraum wurden 25 SAV-Fälle bei Kindern erfasst. 6 Fälle (24%) entfielen auf akute Schwerstverletzungen (SAV 1–10). Dies waren Handverletzungen (n=3), eine Gelenkverletzung, ein Kompartmentsyndrom sowie eine Verletzungskombination (jeweils n=1). 19 Fälle (76%) als komplikationsbedingte Verläufe (SAV 11) klassifiziert. 12 dieser Patient*innen waren initial dem Verletztenartenverzeichnis 7.1 (VAV) zugeordnet. Hierbei handelt es sich um gelenknahe Verletzungen mit potenziellem Risiko für Wachstumsstörungen. 6 Patient*innen erlitten eine distale Radiusfraktur, wobei in allen Fällen eine Frakturheilung in Fehlstellung die Ursache der Komplikation darstellte (32% aller SAV 11 Fälle). Weitere Verletzungen waren Kreuzbandrupturen (n=2), Radiuskopffrakturen (n=2) und distale Humerusfrakturen (n=2). Als Komplikationen traten Fehlstellungen (n=2), Instabilitäten (n=2), Gelenksteifen (n=1) sowie Arthrosen (n=1) auf. 5 Fälle waren auf Schaftfrakturen im Kindesalter zurückzuführen (6.1 VAV). Es handelte sich um eine Unterarmschaftfraktur (n=1) und jeweils zwei Unterschenkelschaft- und Femurschaftfrakturen (n=2). Ursächlich waren die Frakturheilung in Fehlstellung (n=3), eine mechanische Komplikationen (n=1) und eine Re-Fraktur (n=1). Zwei weitere Fälle umfassten eine Patellaluxation sowie eine Lisfranc-Luxationsfraktur und waren daher initial dem DAV zugeordnet. Sie resultieren in eine Gelenkfehlstellung bzw. Heilung in Fehlstellung, sodass sie als komplikationsbedingte SAV-Fälle klassifiziert wurden.

Diskussion und Schlussfolgerung: Der überwiegende Anteil der SAV-Fälle entfällt auf komplikationsbedingte Verläufe. Hervorzuheben sind die Frakturheilungen in Fehlstellung, die nach konservativer und operativer Therapie auftreten können und regelmäßig erneute operative Eingriffe erfordern. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer frühzeitigen Identifikation von Risikoverletzungen sowie strukturierten Nachsorge im Heilverfahren, um sekundäre SAV-Fälle im Kindesalter zu minimieren.