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German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Grenzen der Anwendbarkeit von Cerament® als Knochenersatzmaterial bei chronischer Osteomyelitis

Eva Steinhausen - Unfallchirurgie Universitätsklinikum Essen, BG Klinikum Duisburg, Duisburg, Deutschland
Hendrik Schöllmann - BG Klinikum Duisburg gGmbH, Duisburg, Deutschland
Veronika Weichert - Unfallchirurgie Universitätsklinikum Essen, BG Klinikum Duisburg, Duisburg, Deutschland
Martin Glombitza - BG Klinikum Duisburg gGmbH, Duisburg, Deutschland
Nikolaus Brinkmann - BG Klinikum Duisburg gGmbH, Duisburg, Deutschland
Marcel Dudda - Unfallchirurgie Universitätsklinikum Essen, BG Klinikum Duisburg, Duisburg, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Zur Defektauffüllung bei chronischer Osteomyelitis (COM) werden regelhaft Knochenersatzmaterialien eingesetzt. Cerament® G/V ist ein synthetisches Calciumsulfat-Hydroxylapatit, das mit Antibiotika angereichert ist (G: Gentamcyin, V: Vancomycin). Ziel der Studie war, das klinische Outcome nach Cerament-Implantation bei Pat. mit COM zu analysieren und Faktoren für die erfolgreiche Anwendung herauszuarbeiten.

Material und Methoden: Pat. mit COM, deren knöcherne Defekte mit Cerament® G oder V zwischen 2013 und 2020 aufgefüllt wurden und ein Follow-Up (FU) >6 Monate hatten, wurden retrospektiv analysiert. Ausgewertet wurden prä-, intra- und postoperativer Verlauf. Primärer Endpunkt war die Infektberuhigung beim letzten FU. Sämtliche Komplikationen wurden erfasst. Die Auswertung erfolgte deskriptiv.

Ergebnisse: Es wurden 30 Pat. analysiert (männlich n=21, durchschnittl. Alter 53 Jahre). Alle Pat. waren voroperiert, meist mehrfach. Bei 18 Pat. wurde entsprechend des vorliegenden Resistogramms Cerament® G verwendet, bei 12 Pat. Cerament® V. 15 Pat. erhielten eine additive systemische Antibiose. Überwiegend handelte es sich um cavitäre Defekte (n=21, 70%). Durchschnittlich wurden 18 ml Cerament® implantiert.Bei 7 Pat. wurde Cerament® aufgrund der Defektgröße mit Spongiosa oder Allografts kombiniert. Bei 12 Pat. kam es nach der Index-OP zu „white drainage“, dies v.a. bei cavitären und bei größeren Defekten (durchschn. 22 ml Cerament). Bei 5/12 Pat. (42%) ergab sich daraus keine weitere therapeutische Konsequenz, während 7 Pat. revidiert wurden. Bei 4/7 Pat. lag gleichzeitig ein Reinfekt vor. Infektberuhigung wurde in 67% (20 Pat.) erreicht, v.a. bei kleineren Defekten (Infektberuhigung: 15 ml Cerament® vs. Reinfekt: 26 ml Cerament®). Reinfekte traten unabhängig von der Defektart auf (cavitär 30% vs. segmental 30%). Pat. mit Cerament® G und Cerament® V waren gleich häufig betroffen von einer Infektreexazerbation. Auch die Gabe einer systemischen Antibiose zeigte keinen Unterschied in der Reinfektrate. Bei 73% der Pat. wurde bis zum letzten FU eine knöchern stabile Situation erreicht, 83% der Pat. hatten funktionell eine Vollbelastung. Zehn Pat. hatten kritische Weichteile und Lappenplastische Defektdeckungen im Vorfeld erhalten, weswegen Cerament® minimal-invasiv implantiert wurde.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die hohen Reinfektraten stehen im Kontrast zu bisher veröffentlichten Ergebnissen und scheinen v.a. abhängig von der Defektgröße zu sein, so dass Cerament® als Monotherapie aus unserer Sicht bevorzugt bei kleineren Defekten genutzt werden sollte. Ein Cut-off Wert muss noch herausgearbeitet werden. Eine Kombination mit Spongiosa oder Allografts ist möglich und scheint insbesondere bei größeren Defekten sinnvoll. Vorteilhaft ist zudem die Möglichkeit der minimal-invasiven Implantation, insbesondere bei häufig kompromittierten Weichteilen. Ein weiterer Vorteil ist die hohe lokale Antibiose, die bei uns zu einer Reduktion der systemischen Antibiose bei häufig multimorbiden Patienten führte.