Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Grenzen der Anwendbarkeit von Cerament® als Knochenersatzmaterial bei chronischer Osteomyelitis
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Zur Defektauffüllung bei chronischer Osteomyelitis (COM) werden regelhaft Knochenersatzmaterialien eingesetzt. Cerament® G/V ist ein synthetisches Calciumsulfat-Hydroxylapatit, das mit Antibiotika angereichert ist (G: Gentamcyin, V: Vancomycin). Ziel der Studie war, das klinische Outcome nach Cerament-Implantation bei Pat. mit COM zu analysieren und Faktoren für die erfolgreiche Anwendung herauszuarbeiten.
Material und Methoden: Pat. mit COM, deren knöcherne Defekte mit Cerament® G oder V zwischen 2013 und 2020 aufgefüllt wurden und ein Follow-Up (FU) >6 Monate hatten, wurden retrospektiv analysiert. Ausgewertet wurden prä-, intra- und postoperativer Verlauf. Primärer Endpunkt war die Infektberuhigung beim letzten FU. Sämtliche Komplikationen wurden erfasst. Die Auswertung erfolgte deskriptiv.
Ergebnisse: Es wurden 30 Pat. analysiert (männlich n=21, durchschnittl. Alter 53 Jahre). Alle Pat. waren voroperiert, meist mehrfach. Bei 18 Pat. wurde entsprechend des vorliegenden Resistogramms Cerament® G verwendet, bei 12 Pat. Cerament® V. 15 Pat. erhielten eine additive systemische Antibiose. Überwiegend handelte es sich um cavitäre Defekte (n=21, 70%). Durchschnittlich wurden 18 ml Cerament® implantiert.Bei 7 Pat. wurde Cerament® aufgrund der Defektgröße mit Spongiosa oder Allografts kombiniert. Bei 12 Pat. kam es nach der Index-OP zu „white drainage“, dies v.a. bei cavitären und bei größeren Defekten (durchschn. 22 ml Cerament). Bei 5/12 Pat. (42%) ergab sich daraus keine weitere therapeutische Konsequenz, während 7 Pat. revidiert wurden. Bei 4/7 Pat. lag gleichzeitig ein Reinfekt vor. Infektberuhigung wurde in 67% (20 Pat.) erreicht, v.a. bei kleineren Defekten (Infektberuhigung: 15 ml Cerament® vs. Reinfekt: 26 ml Cerament®). Reinfekte traten unabhängig von der Defektart auf (cavitär 30% vs. segmental 30%). Pat. mit Cerament® G und Cerament® V waren gleich häufig betroffen von einer Infektreexazerbation. Auch die Gabe einer systemischen Antibiose zeigte keinen Unterschied in der Reinfektrate. Bei 73% der Pat. wurde bis zum letzten FU eine knöchern stabile Situation erreicht, 83% der Pat. hatten funktionell eine Vollbelastung. Zehn Pat. hatten kritische Weichteile und Lappenplastische Defektdeckungen im Vorfeld erhalten, weswegen Cerament® minimal-invasiv implantiert wurde.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die hohen Reinfektraten stehen im Kontrast zu bisher veröffentlichten Ergebnissen und scheinen v.a. abhängig von der Defektgröße zu sein, so dass Cerament® als Monotherapie aus unserer Sicht bevorzugt bei kleineren Defekten genutzt werden sollte. Ein Cut-off Wert muss noch herausgearbeitet werden. Eine Kombination mit Spongiosa oder Allografts ist möglich und scheint insbesondere bei größeren Defekten sinnvoll. Vorteilhaft ist zudem die Möglichkeit der minimal-invasiven Implantation, insbesondere bei häufig kompromittierten Weichteilen. Ein weiterer Vorteil ist die hohe lokale Antibiose, die bei uns zu einer Reduktion der systemischen Antibiose bei häufig multimorbiden Patienten führte.



