Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Erste Ergebnisse eines edelmetallbeschichteten Marknagels bei der Behandlung frakturassoziierter Infektionen an Femur und Tibia – eine multizentrische Analyse
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Zielsetzung und Fragestellung: Frakturassoziierte Infektionen stellen eine schwerwiegende Komplikation der Frakturbehandlung dar. Durch oberflächenbeschichtetes Osteosynthesematerial kann versucht werden, eine Infektion bzw. ein Infektrezidiv zu verhindern. Fragestellung dieser Analyse ist, inwiefern die Verwendung eines edelmetallbeschichteten Marknagels (noble metal-coated titanium nail, NMCTN) mit in vitro verringerter mikrobieller Adhärenz bei der Behandlung frakturassoziierter Infektionen (fracture related infection, FRI) an Femur und Tibia einen Einfluss auf Frakturheilung und Infektrezidivrate hat.
Material und Methoden: In einer retrospektiven Studie wurden an 2 überregionalen Traumazentren 34 Patienten (Pat.) mit FRI an Femur (n = 10) oder Tibia (n = 24) eingeschlossen, bei welchen zwischen 2021 und 2024 die Stabilisierung mit NMCTN nach chirurgischer und antibiotischer Infektberuhigung erfolgte. Analysiert wurden der prä- und postoperative Verlauf, die Infektrezidivrate sowie die knöcherne Konsolidierung anhand des Radiographic Union Score.
Ergebnisse: Bei 27 Pat. lag eine chronische und bei 7 Pat. eine akute FRI vor. 10 Pat. wiesen vor NMTCN-Implantation eine Mischinfektionen mit ≥ 2 Keimen auf. Im Mittel wurden am Femur 5 [2 – 11] und an der Tibia 8 [1 – 20] operative Eingriffe vor NMCTN-Implantation durchgeführt. Während eines durchschnittlichen Follow-ups von 19 [8 – 38] Monaten nach NMCTN-Implantation traten bei 12 Pat. keine Komplikationen auf. Minorkomplikationen (z.B. Weichteilirritation, verzögerte knöcherne Konsolidierung) traten bei 13 Pat. auf. Davon erfolgte bei 6 Pat. die operative Revision. Im Verlauf des Follow-ups wiesen 8 der 34 Pat. ein Infektrezidiv auf, bei 5 Pat. erfolgte die Entfernung des NMTCN und der Verfahrenswechsel. 3 Pat. zeigten trotz Infektrezidiv eine knöcherne Heilung. Ein Pat. verstarb im Beobachtungszeitraum (vgl. Abbildung 1 [Abb. 1]). Insgesamt konnte bei 18 Pat. nach durchschnittlich 5,5 [1,3 – 11,3] Monaten die knöcherne Konsolidierung mit NMCTN erreicht werden. Bei 3 von 7 Pat. mit bei NMTCN-Implantation weiterhin positivem Keimnachweis konnte eine knöcherne Heilung erreicht werden. Implantatspezifische Komplikationen wie Implantatversagen oder allergische Reaktionen wurden nicht beobachtet.
Diskussion und Schlussfolgerung: Edelmetallbeschichtete Marknägel können zur definitiven Stabilisierung bei FRI verwendet werden, wobei sich in dieser Fallserie mit 24% eine ähnliche hohe Infektrezidivrate zeigt wie in der Literatur ohne Verwendung antibakteriell-beschichteter Implantate. Die Komplikationsrate von 62% und die Anzahl an Voreingriffen deuten darauf hin, dass die Behandlung von FRI selbst in erfahrenen Zentren eine Herausforderung darstellt und es sich um ein komplexes Patientenkollektiv handelt. Bevor bei FRI die definitive Stabilisierung erfolgt, sollte weiterhin auch bei der Verwendung von NMCTN die antibiotische und chirurgische Infektberuhigung erfolgt sein.




