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German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Prädiktive Faktoren für das Reinfektionsrisiko beim zweizeitigen septischen Wechsel von Hüft- und Knieendoprothesen

Florian Sax - Orthopädische Klink Markgröningen, Markgröningen, Deutschland
Bernd Fink - Orthopädische Klink Markgröningen, Markgröningen, Deutschland
Benedikt Blersch - Orthopädische Klink Markgröningen, Markgröningen, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Der zweizeitige septische Wechsel stellt das Standardverfahren zur Behandlung periprothetischer Gelenkinfektionen (Periprosthetic Joint Infection, PJI) von Hüfte und Knie dar. Vor der Reimplantation muss jedoch beurteilt werden, ob die Infektion eradiziert ist. Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, ob serologische, mikrobiologische oder histologische Parameter zum Zeitpunkt der Reimplantation das Risiko einer Reinfektion vorhersagen können.

Material und Methoden: In einer retrospektiven Kohortenstudie (Evidenzgrad III) wurden 238 konsekutive Patientinnen und Patienten mit PJI nach Hüft- (n = 145; 60,9%) oder Knieendoprothese (n = 93; 39,1%) analysiert, die zwischen 2017 und 2021 einen zweizeitigen septischen Wechsel erhielten. Die Datenerfassung erfolgte prospektiv, die Auswertung retrospektiv. Die Diagnose der PJI erfolgte gemäß den Kriterien der Musculoskeletal Infection Society (MSIS) und des International Consensus Meeting (ICM) 2018. Untersucht wurden präoperative serologische Parameter (Leukozytenzahl, C-reaktives Protein [CRP]), mikrobiologische Befunde (5-Proben-System, 14 Tage Inkubation) sowie die histologische Klassifikation der periprothetischen Membran nach Krenn und Morawietz. Der Follow-up-Zeitraum betrug mindestens 24 Monate (56,2 ± 19,8 Monate). Zur Analyse potenzieller Risikofaktoren wurde eine multivariable binäre logistische Regression (Enter-Methode) mit 15 Kovariaten durchgeführt. Variablen mit p > 0,300 wurden schrittweise entfernt. Die Überlebensanalyse erfolgte mittels Kaplan–Meier-Methode. Das Signifikanzniveau lag bei p < 0,05.

Ergebnisse: Eine Reinfektion trat bei 27 Patientinnen und Patienten (11,3%) auf. Weder präoperative CRP-Werte (13,7 ± 15,7 mg/L) noch Leukozytenzahlen (6,4 ± 1,9 ×10³/µL), noch mikrobiologische oder histologische Befunde bei Spacerexplantation zeigten einen signifikanten prädiktiven Wert für eine Reinfektion. Ein vorheriger septischer oder aseptischer Prothesenwechsel war mit einem achtfach erhöhten Reinfektionsrisiko assoziiert. Ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI 30,2 ± 6,8 kg/m²) stellte ebenfalls einen signifikanten Risikofaktor dar. In 63,0% der Reinfektionen zeigte sich ein Erregerwechsel, in 14,8% wurde derselbe Erreger nachgewiesen. Der intraoperative Keimnachweis in ≥ 2 von 5 Proben erhöhte das Risiko vierfach, ohne statistische Signifikanz.

Diskussion und Schlussfolgerung: Derzeit existiert kein verlässlicher serologischer, mikrobiologischer oder histologischer Parameter, der zum Zeitpunkt der Reimplantation das Risiko einer Reinfektion valide vorhersagen kann. Voroperationen und ein erhöhter BMI erhöhen zwar das Reinfektionsrisiko, erlauben jedoch keine Aussage zum optimalen Reimplantationszeitpunkt. Die Indikationsstellung zur Reimplantation erfolgt weiterhin konzeptbasiert nach etablierten zweizeitigen Behandlungsprotokollen. Zukünftige Studien müssen klären, ob individualisierte Therapieintervalle oder verlängerte antibiotische Regime bei Hochrisikopersonen die Reinfektionsrate senken können.