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German Congress of Orthopaedics and Traumatology (DKOU 2025)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
28.-31.10.2025
Berlin

Meeting Abstract

Die Bedeutung verschiedener Behandlungsmethoden hinsichtlich des sagittalen Profils und klinischen Outcomes von Patienten mit osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen des thorakolumbalen Übergangs

Jessy Wiedemann - Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Handchirurgie, Städtisches Klinikum Dresden, Dresden, Deutschland
Alexander Franck - Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sana Kliniken Oberfranken, Klinikum Coburg, Coburg, Deutschland
Philipp Schenk - Abteilung Forschung, BG Klinikum Bergmannstrost Halle gGmbH, Halle, Deutschland
Falko Schwarz - Universitätsklinikum Jena, Klinik für Neurochirurgie, Jena, Deutschland
Sebastian Katscher - Interdisziplinäres Wirbelsäulenzentrum und Neurotraumatologie, Sana Klinikum Borna, Borna, Deutschland
Volker Zimmermann - Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädische Chirurgie, Klinikum Traunstein, Traunstein, Deutschland
Gregor Schmeiser - Spinale Chirurgie, Schön-Klinik Hamburg Eilbek, Hamburg, Deutschland
Klaus Schnake - Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, Zentrum für Wirbelsäulen- und Skoliosetherapie, Waldkrankenhaus Erlangen, Erlangen, Deutschland
Max Joseph Scheyerer - Universitätsklinikum Düsseldorf, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Wirbelsäulenerkrankungen, Düsseldorf, Deutschland
Ulrich Spiegl - Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Wiederherstellungschirurgie und Handchirurgie, München Klinik Harlaching, München, Deutschland
Bernhard Ullrich - Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie, BG Klinikum Bergmannstrost Halle, Halle, Deutschland
Arbeitsgruppe "Osteoporotische Frakturen" Sektion Wirbelsäule der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie - DGOU-Geschäftsstelle, Berlin, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Osteoporotische Wirbelfrakturen können zu einer Abnahme der Wirbelkörperhöhe mit erheblicher Veränderung des sagittalen Profils führen, meist mit entsprechenden Folgen. Gerade deshalb stellt sich die Frage nach der idealen Behandlung. Ziel der chirurgischen Therapie ist, die Fraktur zu stabilisieren, eine Sinterung zu verhindern und Schmerzen zu lindern. In dieser Studie wurde der Einfluß der Therapie (konservativ/chirurgisch) auf das sagittale Profil sowie das klinische Outcome bei der Behandlung von osteoprotischen Wirbelfrakturen des thorakolumbalen Übergangs analysiert.

Material und Methoden: Basierend auf Patientendaten aus der multizentrischen EOFTT-Studie wurde die Frakturmorphologie gemäß der OF-Klassifikation dokumentiert. Therapieptionen - konservativ, Augmentationstechniken (Kyphoplastie/Vertebroplastie) und Instrumentierung (bi-/multisegmentale dorsale Stabilisierung) - wurden radiologisch anhand des bisegmentalen Cobb-Winkels-biCA verglichen. Drei definierte Zeitintervalle wurden ausgewertet: Tag der Behandlungsentscheidung-DTD bis zur Entlassung-DIS, Entlassung-DIS bis zur Nachuntersuchung-FU, Tag der Behandlungsentscheidung-DTD bis zur Nachuntersuchung-FU. Klinische Outcomeparameter wurden mit dem Oswestry Disability Index (ODI), der Visuellen Analogskala (VAS), dem EQ-5D-5L und dem „Timed Up and Go“-Test (TuG) ermittelt.

Ergebnisse: 367 Patienten mit Wirbelfrakturen von T11–L2 wurden analysiert. Die häufigsten Frakturtypen waren OF3(44%), OF4(28%) und OF2(23%). 33% wurden konservativ, 67% operativ behandelt. 23% der OP-Patienten erhielten eine Augmentation, 44% eine Instrumentierung. Beide OP-Methoden zeigten eine signifikante Verbesserung des biCA vom DTD zur DIS (Augmentation p=0,002; Instrumentierung p<0,001). Der biCA verringerte sich in allen Gruppen von der DIS bis zum FU (p=0,685). Im Zeitraum vom DTD zum FU zeigte die Instrumentierung eine signifikante Verbesserung des biCA, die Augmentation im Vergleich dazu hingegen keine signifikante Veränderung. Der ODI und die VAS wiesen eine Verbesserung vom DTD zur DIS und erneut zum FU auf. Im Gegensatz dazu zeigte der TuG bei konservativ behandelten und instrumentierten Patienten bei der Nachuntersuchung eine signifikante Verbesserung.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Wahl der Therapie für osteoporotische Wirbelfrakturen im Bereich Th11-L2 basiert auf dem Ausmaß der klinischen Beeinträchtigung. Je eingeschränkter die Patienten sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie eine chirurgische Behandlung erhalten. Das Patienten mit Instrumentierung im Vergleich zur Augmentation die geringste funktionelle Einschränkung, die niedrigsten VAS-Werte, kürzere TuG-Zeiten und bessere EQ5D-Ergebnisse beim FU aufwiesen, könnte als Auswirkung der nachhaltigen Korrektur der frakturbedingten Kyphose interpretiert werden. Während alle Behandlungsgruppen zunächst eine Besserung der Outcomeparameter zeigten, wiesen nur die konservativen und instrumentierten Patienten einen dauerhaften Effekt beim FU auf. Das schlechtere Langzeitergebnis der Augmentationsverfahren könnte eine Tendenz pro Instrumentierung nahe legen. Um die Wirkung der Profilkorrektur der einzelnen Verfahren besser zu verstehen sollten weitere prospektive Studien zum Vergleich Augmentation/ Instrumentierung initiiert werden.