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66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie
08.-10.10.2026
Bremen

Meeting Abstract

Wie gelingt die konservative Behandlung der Kamptodaktylie bei Kindern?

Wiebke Hülsemann - Katholisches Kinderkrankenhaus Wilhelmstift, Hamburg, Deutschland
Sippel Darja - Katholisches Kinderkrankenhaus Wilhelmstift, Hamburg, Deutschland
Reiß Anne - Katholisches Kinderkrankenhaus Wilhelmstift, Hamburg, Deutschland
Max Mann - Katholisches Kinderkrankenhaus Wilhelmstift, Hamburg, Deutschland

Text

Fragestellung: Die Behandlung der Kamptodaktylie bei Kindern beginnt mit einer konservativen Therapie mit Schienen und manueller Dehnung. Eine frühzeitige Schienenbehandlung lohnt sich, ist aber bei kleinen Kindern aufgrund ihrer empfindlichen Haut und der mangelnden Mitarbeit schwierig umzusetzen. An das Alter angepasste gut sitzende Schienen erfordern kundige, bei Problemen ansprechbare Schienenbauer, die eng mit Orthopädietechnikern und Handchirurgen zusammenarbeiten. Wir wollten überprüfen, wie wirksam diese konservative Therapie in den verschiedenen Altersgruppen ist.

Methodik: Seit 2015 wurden 252 Kinder mit Kamptodaktylien im Fehlbildungszentrum konservativ behandelt. In die Studie eingeschlossen wurden nur Kinder mit Kamptodaktylien, die nicht Teil übergeordneter Erkrankungen waren und bei denen ein Finger betroffen war und die konservativ behandelt wurden. Ausgeschlossen wurden 151 Patienten, bei denen entweder mehrere Finger betroffen waren, die auswärts voroperiert wurden, sich nicht wieder vorstellten, bei der Behandlung nicht kooperierten oder deren Aufzeichnungen unvollständig waren.

98 Kinder (128 Hände) erfüllten die Einschlusskriterien. Die Kinder wurden in fünf Altersgruppen unterteilt. Die größte Altersgruppe bildeten 46 Säuglinge und Kleinkinder (57 Hände) im Alter von 0,8 bis 2,9 Jahren; im Vorschulalter (Alter 3 bis 5,9 Jahre) wurden 21 Hände bei 19 Kinder behandelt; 21 Hände von 16 Schulkindern (Alter 6 bis 12 Jahre) und 21 Hände bei 16 Jugendlichen (älter als 12 Jahre bis 17 Jahre).Meistens war der Kleinfinger betroffen. Bei den übrigen 16 Patienten war meistens der Ringfinger, selten der Zeige- oder Mittelfinger betroffen.

Die Aufzeichnungen wurden retrospektiv hinsichtlich des passiven Streckdefizits des Mittelgelenks vor Therapiebeginn, der Dauer der Schienentherapie und des Behandlungsergebnisses ausgewertet.

Ergebnisse: In fast allen Fällen beobachteten wir nach 6 Monaten eine rasche Besserung. In der Vorschulgruppe wurde nach 10 Monaten eine durchschnittliche Verbesserung von 30° erzielt. Bei den Schulkindern war die Besserung weniger ausgeprägt und erforderte eine ein bis 1,5-jährige Therapie. Bei den Jugendlichen dauerte die Besserung länger und hing stark vom Willen der Betroffenen ab.

Schlussfolgerung: Die konservative Therapie mit manuellem Dehnen und Schienen kann in allen Altersgruppen den Befund verbessern. Die verwendeten Schienen erwiesen sich in allen Altersgruppen bei vielen als wirksam, am effektivsten und schnellsten bei Kleinkindern. Bleibt eine Verbesserung trotz guter Mitarbeit aus, ist ein operatives Release indiziert. Eine effektive Therapie erfordert gutsitzende Schienen, motivierte Patienten, bzw. Eltern sowie therapeutische Unterstützung in regelmäßigen Kontrollen alle 4 bis 6 Monate. Wichtig ist eine zeitlich und räumlich enge Zusammenarbeit von erfahrenen Handtherapeuten und Handchirurgen, die bei Problemen ansprechbar sind, die Betroffenen motivieren und kurzfristig Termine anbieten können.