66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Einfluss des konservativen Therapieversuches auf das postoperative radiologische Ergebnis in der Therapie der distalen Radiusfraktur
Text
Fragestellung: Geschlossene distale Radiusfrakturen werden in der Regel geschlossen reponiert und im Cast/Gips redressiert. Bei gutem Repositionsergebnis ist eine konservative Therapie möglich und führt zu vergleichbarem klinischen Therapieergebnis im Vergleich zur operativen Therapie. Für Frakturen mit Instabilitätskriterien besteht das Risiko einer sekundären Dislokation mit Konversion zur operativen Therapie. Diese Studie untersucht, ob ein fehlgeschlagener konservativer Therapieversuch das objektivierbare postoperative radiologische Repositionsausmaß negativ beeinflusst.
Methodik: Diese retrospektive monozentrische Studie analysierte 104 Patienten mit distaler Radiusfraktur, die zunächst konservativ behandelt und aufgrund sekundärer Dislokation operiert wurden (Konversionsgruppe). Diese wurden nach Alter, Geschlecht und Frakturtyp mit 104 primär operierten Patienten gematcht (Primär-OP-Gruppe). Analysiert wurden radiale Inklination (RI, °), radiale Länge (RL, mm), Ulnavarianz (UV, mm) und volarer Tilt (VT, °). Unterschiede zwischen den Gruppen wurden mittels gepaartem t-Test untersucht.
Ergebnisse: Im Unfall- und Repositionsröntgen bestand zwischen beiden Gruppen keine Unterschiede hinsichtlich RI, UV und VT (p>0,05); die RL war in der Primär-OP-Gruppe geringer (p≤0,05). In der Konversionsgruppe bestand fü̈r RL, RI, UV und VT eine signifikante sekundäre Dislokation (p≤0,05, nach 7d±4d). Postoperativ waren UV (0,4mm±2,5 vs. 0,9mm±2,8°; p≤0,05) und VT (3°±7° vs. −5°±10°; p≤0,05) im Vergleich zum Repositionsröntgen im Cast verbessert (p≤0,05). Postoperativ zeigte die Konversionsgruppe im Vergleich zur Primär-OP-Gruppe eine geringere RL, RI und VT sowie eine größere UV (p≤0,05). RL, RI und UV lagen häufiger unterhalb der Referenzbereiche (p≤0,05). Die Konversionsgruppe wurde im Mittel später operiert als die Primär-OP-Gruppe (12d±6 vs. 5d ±3; p≤0,05).
Schlussfolgerung: Nach radiologischen Kriterien geht ein konservativer Therapieversuch instabiler distaler Radiusfrakturen mit einem schlechteren postoperativen radiologischen Ergebnis einher. Zwar kann nach sekundärer Dislokation durch operative Intervention, in der Regel, die initial erreichte Cast-Stellung wiederhergestellt werden, jedoch werden die besten radiologischen Alignments durch eine primäre operative Stabilisierung erzielt. Als mögliche Ursache für das Repositionsdefizit nach verzögerter Operation ist eine rasche Adaptation periartikulärer Weichteilstrukturen zu diskutieren. Dieser potenzielle Nachteil sollte bei Indikationsstellung und Patientenaufklärung vor dem konservativen Therapieversuch, insbesondere bei jüngeren Patienten, berücksichtigt werden. Die klinische Relevanz der Ergebnisse ist Gegenstand prospektiver Untersuchungen.



