66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Einfluss der Kollagenmatrix-Umhüllung nach Rekonstruktion peripherer Nerven auf die Nervenregeneration und Narbenbildung
Text
Fragestellung: Durchtrennungen peripherer Nerven stellen eine erhebliche therapeutische Herausforderung dar. Trotz mikrochirurgischer Nervenkoaptation bleibt die funktionelle Erholung postoperativ durch perineurale Narbenbildung und unvollständige axonale Regeneration oft eingeschränkt. Ziel dieser Studie war die Untersuchung des Effekts einer intraoperativen Umhüllung von Koaptationsstellen mit MatriDerm® (MD), einer klinisch zur dermalen Wunddeckung eingesetzten Kollagen-Elastin-Matrix, auf die periphere Nervenregeneration im N.-ischiadicus-Modell der Ratte.
Methodik: Bei 44 weiblichen Lewis-Ratten erfolgte nach scharfer Durchtrennung des rechten N. ischiadicus die Randomisierung in vier Gruppen: direkte epineurale Koaptation (EK), EK mit MD-Umhüllung (EK-MD), autologes Nerventransplantat (AT) und AT mit MD-Umhüllung (AT-MD). Über 12 Wochen wurden Körpergewicht und funktionelle Regeneration mittels Visual Static Sciatic Index (VSSI) wöchentlich erfasst. Nach Euthanasie wurde das ipsi- und kontralaterale Nervengewebe zur histologischen und histomorphometrischen Beurteilung von Narbenbildung und axonaler Morphologie entnommen. Die Zielmuskulatur wurde histologisch auf Atrophiezeichen untersucht.
Abbildung 1 [Abb. 1] Abbildung 1: Applikation von MatriDerm® um eine direkte epineurale Nervenkoaptation (obere Reihe) sowie um ein autologes Nerventransplantat (untere Reihe).
Ergebnisse: Tiere der AT-MD-Gruppe zeigten ab der dritten postoperativen Woche eine stärkere Gewichtszunahme (p < 0,05), während zwischen den EK-Gruppen kein signifikanter Unterschied feststellbar war. Die funktionelle Regeneration war in beiden MD-Gruppen beschleunigt, in der EK-MD-Gruppe in der mittleren Erholungsphase (p < 0,05 in Woche 3, 5, 6 und 8), in der AT-MD-Gruppe in der späten Erholungsphase (p < 0,05 in Woche 8–12). Histologisch zeigte sich in beiden MD-Gruppen eine reduzierte epineurale Narbenbildung.
Abbildung 2 [Abb. 2] Abbildung 2: Funktionelle Erholung gemessen mittels VSSI. Tiere mit MD-Umhüllung erzielten signifikant bessere Werte im Vergleich zu ihrer jeweiligen Kontrollgruppe, in den EK-Gruppem in der mittleren Erholungsphase (p < 0,05 in Woche 3, 5, 6 und 8), in den AT-Gruppen in der späten Erholungsphase (p < 0,05 in Woche 8–12).
Schlussfolgerung: Im untersuchten Tiermodell wirkte sich die Anwendung von MD positiv auf die periphere Nervenregeneration aus. Die Applikation war mit einer beschleunigten funktionellen Erholung sowie einer reduzierten Narbenbildung assoziiert. Aufgrund der einfachen Handhabung und klinischen Verfügbarkeit erscheint MD als potenziell geeignetes adjuvantes Hüllmaterial in der peripheren Nervenrekonstruktion.



