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66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie
08.-10.10.2026
Bremen

Meeting Abstract

Infektionen durch medizinische Blutegelanwendung bei der Rhizarthrose – eine Fallserie

Laura Coenen de Salazar - Krankenhaus Waldfriede Berlin, Berlin, Deutschland
Arne Tenbrock - Krankenhaus Waldfriede Berlin, Berlin, Deutschland
Martin Lautenbach - Krankenhaus Waldfriede Berlin, Berlin, Deutschland

Text

Fragestellung: Die medizinische Blutegeltherapie wird als Verfahren zur Behandlung von chronischen Schmerzen im Bereich des Daumensattelgelenkes bei der Rhizarthrose angewandt. Als konservativ-naturheilkundliche Therapieform, die eine konservativ-schulmedizinische oder operative Behandlung vermeiden soll, wird diese in der Literatur meist als risikofrei und „natürlich“ beschrieben. Risiken und Nebenwirkungen schulmedizinischer Therapien sollen vermieden werden. Hierbei werden Blutegel auf die Haut der Patienten aufgesetzt. Diese Blutegel setzen nach dem „Biss“ u.a. bioaktive Stoffe frei, die zu einer Beschwerdebesserung führen sollen. Dennoch ist die Therapie auch nach Literaturlage mit dem Risiko von Komplikationen vergesellschaftet. Zu den häufigsten genannten Komplikationen gehören hierbei Infektionen. Ein typischer Erreger ist Aeromonas hydrophila. Wir berichten über fünf Patienten, die in unserer Abteilung nach auswärtig durchgeführter Blutegeltherapie einer Rhizarthrose mit einer Infektion der Hand unter stationären Bedingungen behandelt wurden.

Methodik: Anhand der Patientendaten, klinischen, bildgebenden, operativen und mikrobiologischen Befunde sowie der erreichten Therapieergebnisse wird über diese fünf Patienten des Krankenhauses Waldfriede Berlin berichtet. Die mikrobiologischen Befunde und die antibiotische Therapie sowie die Behandlungs- und Arbeitsunfähigkeitszeiten durch die eingetretene Infektion werden beschrieben. Die postoperativ umfangreich erfolgte Handtherapie wird dargestellt. Die eigenen Erfahrungen aus der genannten Fallserie werden zusätzlich mit den in der Literatur vorhandenen Daten diskutiert und eine Risikobeschreibung sowie präventive Maßnahmen dargestellt.

Ergebnisse: Die fünf Patienten stellten sich mit initial ausgeprägten lokalen Infektzeichen im Bereich der Hand nach Blutegeltherapie einer Rhizarthrose in unserer zentralen Notaufnahme vor. Bei allen beschriebenen Fällen waren ein bis mehrere operative Behandlungen notwendig. Alle Patienten mussten zusätzlich eine intravenöse antibiotische Therapie unter stationären Bedingungen erhalten. Eine umfangreiche handtherapeutische postoperative Therapie war nötig. In unseren Fallberichten konnte nur in einem Fall ein typischer Erreger einer Infektion durch Blutegel nachgewiesen werden. Alle Patienten hatten nach Abschluss der Therapie eine gute Beweglichkeit der betroffenen Hand. In drei Fällen konnte bildmorphologisch eine ausgeprägte Progredienz der Rhizarthrose nachgewiesen werden.

Schlussfolgerung: Die fünf Patienten aus unserer Fallserie verdeutlichen, dass die Infektion nach einer Blutegeltherapie der Rhizarthrose eine schwere, nicht zu vernachlässigende Komplikation darstellt. Weiterhin werden in der Literatur aber Ansätze zur Prävention einer solchen Infektion genannt. Das Risiko einer Infektion bei der medizinischen Blutegeltherapie der Rhizarthrose sollte bei der Bewertung dieser Methode dringend berücksichtigt werden. Die Patienten sollten aus unserer Sicht dringend über das Risiko aufgeklärt werden.