66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Die osteokartilaginäre Rekonstruktion am Carpus und Handgelenk mit freien Knorpel-Knochen-Transplantaten – muss es immer ein freies vaskularisiertes Transplantat sein?
Text
Fragestellung: Seit Beginn dieses Jahrtausends wird zur Rekonstruktion im Carpusbereich (proximaler Kahnbeinpol, Capitatumkopf, Lunatum,...), mit der Notwendigkeit eines Knorpel-Knochentransplantates, vorrangig die Indikation zu freien, vaskularisierten Transplantaten, bevorzugt der medialen Femurkondyle, gestellt. Im Zuge größerer Nachuntersuchungen für den proximalen Polersatz am Kahnbein, zeigt sich durch die Verwendung der vaskularisierten Transplantate eine Ausheilungsrate um die 80%. Sind diese Ergebnisse auch durch weniger aufwändige, nicht vaskularisierte freie Transplantate am Carpus zu erzielen?
Methodik: Vorstellung von 6 Fällen nicht vaskularisierter, freier Knorpel-Knochentransplantate zur Rekonstruktion am Carpus sowie des distalen Radius die von 2022 bis 2025 operiert wurden. Hierbei handelt es sich um 2 Fälle einer Rekonstruktion des Capitatumkopfes bei einer avaskulären Nekrose über eine freies Knorpel-Knochentransplantat aus dem Metatarsale 2- bzw. Metatarsale 3-Köpfchen. Die Fixation des Transplantats erfolgte in beiden Fällen durch K-Drähte. 2 proximale Kahnbeinpolrekonstruktionen durch ein Hemihamatumtransplantat nach proximalen Polfrakturen. Beide Transplantate wurden mittels Doppelgewindeschraube fixiert. 1 Rekonstruktion eines distalen Kahnbeinpols durch ein Metatarsale-2-Köpfchentransplantat nach traumatischer Poldestruktion. Hier wurde zur Fixation des Transplantates eine winkelstabile Platte verwendet. Ebenso bei einer traumatische Defektrekonstruktion des ulnaren Radius mit Rekonstruktion der Fossa lunata sowie der Fossa ulnaris über ein Metatarsale-3-Basistransplantat.
Ergebnisse: In allen 6 Fällen konnte durch die Verwendung eines nicht vaskularisierten Transplantats eine knöcherne Ausheilung bei suffizienter anatomischer Rekonstruktion erzielt werden. In den kritischen Fällen der avaskulären Capitatumkopfnekrosen (OP 2022 und 2023) konnte nach erfolgter Metallentfernung und ossärer Ausheilung im Verlaufs-MRT eine gute Perfusion der Transplantate gezeigt werden. Bis Anfang 2026 wurde in den Nachuntersuchungen keine neuerliche Nekrose erkannt. In beiden Fällen der proximalen Polrekonstruktion mit dem Hemihamatumtransplantat konnte ebenfalls eine ossäre Ausheilung erzielt werden. Bei der seltenen Entität der distalen Kahnbeinpolrekonstruktion durch das Metatarsale-2-Köpfchentransplantat wurde eine knöcherne Integration erzielt, ebenso zeigte sich auch das Metatarsale-3-Transplantat zur Rekonstruktion des distalen Radius ossär integriert.
Schlussfolgerung: Für eine verlässliche Rekonstruktion am Carpus und am distalen Radius ist nicht zwingend ein vaskularisiertes Transplantat notwendig. Eine sichere ossäre Integration ist auch durch freie, nicht vaskularisierte Knorpelknochentransplantat zu erzielen. Diese bieten, bei einfacherer OP-Technik und kürzerer OP-Dauer, eine nahezu anatomische Rekonstruktionsmöglichkeit ohne den Hebedefekt am Kniegelenk. Die Hebemorbidität am Mittelfuß nach Entnahme der Metatarsale-Transplantate sowie am Hamatum bleibt zu vernachlässigen.



