66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Kallusdistraktion des ersten Strahls nach traumatischer Daumenamputation – Indikation, Technik und Ergebnisse
Text
Fragestellung: Der Daumen ist für die Funktion der Hand von zentraler Bedeutung. Durch seine Oppositionsfähigkeit ermöglicht er die Greiffunktion und den Spitzgriff. Nach traumatischer Daumenamputation kommt es zu erheblichen funktionellen, ästhetischen und psychischen Einschränkungen. Ziel dieser Arbeit ist es, die Kallusdistraktion des ersten Strahls als rekonstruktive Option nach traumatischer Daumenamputation darzustellen.
Methodik: Anhand von Fallbeispielen werden Indikation, operative Technik und Ergebnisse der Kallusdistraktion am ersten Strahl beschrieben. Die Replantation wurde primär in allen geeigneten Fällen angestrebt. War diese nicht möglich oder wurde sekundär eine Amputation notwendig, erfolgte die Evaluation sekundärer Rekonstruktionsverfahren. Patienten, die eine Pollizisation des Zeigefingers oder einen Zehentransfer ablehnten, wurde die Kallusdistraktion angeboten. Die Verlängerung des ersten Strahls erfolgte mittels „Fixateur interne“. Die Distraktion wurde nach einem standardisierten Schema durch die Patienten selbst durchgeführt. Nach Erreichen der gewünschten Länge wurden die Distraktionsstange entfernt und die erste Zwischenfingerfalte vertieft. Die Metallentfernung erfolgte nach gesicherter knöcherner Konsolidierung.
Ergebnisse: Die durchschnittlich erreichte Verlängerung betrug 2,2 cm. In einem Fall musste das Implantat aufgrund einer Wundheilungsstörung vorzeitig entfernt werden; die Stabilisierung erfolgte anschließend mittels Markdraht. In einem weiteren Fall kam es zu einem Implantatversagen mit sekundär notwendiger Knocheninterposition und Verplattung. Insgesamt konnten durch die Kallusdistraktion zufriedenstellende funktionelle Ergebnisse erzielt werden.
Schlussfolgerung: Die Kallusdistraktion des ersten Strahls stellt bei Patienten, die eine Pollizisation oder einen Zehentransfer ablehnen, eine sinnvolle rekonstruktive Alternative dar. Mit dieser Methode kann eine funktionell ausreichende Daumenlänge wiederhergestellt und die Greiffunktion verbessert werden. Die Kallusdistraktion ist insgesamt ein sicheres Verfahren mit zufriedenstellenden funktionellen Ergebnissen.



