66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Die Amputation als Ultima ratio bei CRPS
Text
Fragestellung: Das CRPS hat im Allgemeinen bei multimodaler Therapie in Bezug auf den Extremitätenerhalt eine sehr gute Prognose. Dennoch kann in seltenen Fällen die Amputation der betroffenen Extremität in Erwägung gezogen werden, wenn andere Therapiemodalitäten ausgereizt sind. Die Unterarmamputation als mögliche Therapieform kommt sehr selten zum Einsatz. Ziel dieser Analyse ist neben der erforderlichen präoperativen Diagnostik auch die chirurgische Planung der Amputationshöhe sowie Versorgung der Stammnerven zu eruieren
Methodik: Im Rahmen dieser retrospektiven Falldarstellung wurden der Krankheitsverlauf, die Therapiemodalitäten sowie das outcome eines einzelnen Falles mit Ergebnissen der Literatur verglichen.
Ergebnisse: Nach operativer Behandlung einer Radiusfraktur kam es zur Entwicklung eines therapierefraktären CRPS bei einer jungen Patientin. Nach insgesamt 4 weiteren Revisionsoperationen wurde die Patientin mit dem Wunsch einer Unterarmamputation vorgestellt. Nach mehrmaliger interdisziplinärer Beratung mit Schmerztherapeuten sowie Psychiatern wurde die Unterarmamputation durchgeführt. Postoperativ kam es zu einer kompletten Remission der Beschwerden. Eine Prothesenversorgung wurde zunächst nicht gewünscht
Schlussfolgerung: Die Amputation der betroffenen Extremität ist eine sehr seltene Therapieform bei persistierendem CRPS. Die Indikation zur Amputation ist sehr zurückhaltend zu stellen und sollte erst nach interdisziplinärer Konsultation in Erwägung gezogen werden. Auch wenn in der Literatur diese Therapieform im Allgemeinen mit einem guten Outcome assoziiert ist, so sind auch Verschlechterung bekannt, die zu weiteren Amputationen und Schmerzexazerbation führen. Gerade der psychiatrischen Evaluation kommt daher eine besonders hohe Bedeutung zu, um eine Xenomelie oder body-integrity-identity disorder als Grunderkrankung auszuschliessen. Die chirurgische Indikationsstellung ist daher individuell schwierig auch in Bezug auf die Amputationshöhe sowie die chirurgische Versorgung der Stammnerven. Dennoch kann die Amputation in Einzelfällen zu einer kompletten Remission der Schmerzsymptomatik führen, wodurch auch die Notwendigkeit der Dauermedikation entfällt.



