66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Von der Planung zum Knochen – wie präzise sind 3D-geführte Korrekturosteotomien des Unterarms?
Text
Fragestellung: Die dreidimensionale (3D) präoperative Planung hat sich als wesentliches Instrument zur Korrektur komplexer Fehlstellungen des Unterarms etabliert und ermöglicht eine individualisierte Rekonstruktion der Anatomie. Obwohl die Methode zunehmend klinisch eingesetzt wird, existieren bislang nur begrenzte objektive Daten zur Genauigkeit der Übertragung der virtuellen Planung auf das operative Ergebnis. Ziel dieser Studie war es daher, die Genauigkeit 3D-geplanter Korrekturosteotomien des Unterarms zu evaluieren, indem die geplante und die postoperative Knochenstellung mittels CT-basierter Analyse hinsichtlich Winkel- und Translationsabweichungen verglichen wurden.
Methodik: Eingeschlossen wurden Patienten, die sich aufgrund extraartikulärer Fehlstellungen einer 3D-geplanten Korrekturosteotomie von Radius und/oder Ulna unterzogen. Die präoperativen 3D-Planungen wurden mit postoperativen CT-Aufnahmen verglichen, die 12 Wochen nach der Operation angefertigt wurden. Bewertet wurden translationale und Winkelabweichungen in allen Ebenen sowie Veränderungen der Knochenlänge, der radialen Inklination, des palmaren Tilts, der Ulnavarianz und der Rotationsausrichtung. Zusätzlich wurden deskriptive statistische Analysen durchgeführt und die Messreproduzierbarkeit überprüft.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 9 Patienten mit 13 Osteotomien (9 Radius, 4 Ulna) eingeschlossen. Die mittlere Winkelabweichung zwischen Planung und postoperativem Ergebnis betrug 2,7 ± 1,8°, die mittlere Translationsabweichung 1,8 ± 1,2 mm.
Bei Radiuskorrekturen verbesserte sich die radiale Inklination von 10,8 ± 4,2° auf 22,1 ± 3,5°, der palmare Tilt von –5,2 ± 6,4° (dorsal) auf 12,6 ± 4,9° (volar). Die axiale Rotationskorrektur betrug im Mittel 15,3 ± 7,6°, was eine deutliche Wiederherstellung der Pro-/Supinationsachse widerspiegelt.
Bei Ulnakorrekturen betrug die mittlere Längenabweichung 1,3 ± 0,9 mm. Die Ulnavarianz wurde im Mittel um 2,1 ± 1,3 mm korrigiert und lag postoperativ in den meisten Fällen innerhalb von ± 1 mm der Gegenseite. Insgesamt erreichten 83% aller Fälle Abweichungen unter 3° beziehungsweise 3 mm, was eine hohe chirurgische Präzision belegt. Die Interrater-Reliabilität war sehr gut (ICC = 0,98; 95%-KI 0,94–0,99; p < 0,001). Diese minimalen Abweichungen sind als minimal einzustufen und zeigen eine deutlich höhere Genauigkeit gegenüber konventionellen, nicht 3D-gestützten Verfahren.
Schlussfolgerung: 3D-geplante Korrekturosteotomien des Unterarms ermöglichen eine präzise anatomische Rekonstruktion mit nur minimaler Abweichung von der präoperativen Planung und bestätigen erstmals die hohe Genauigkeit und Reproduzierbarkeit der 3D-gestützten Korrekturchirurgie am Unterarm.



