66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Rekonstruktive Versorgung von Mittelhandknochenkopfdefekten mittels autologer osteochondraler Transplantation
Text
Fragestellung: Im HandTraumaRegister der DGH wurden im Jahr 2023 ca. 7500 operationspflichtige Verletzungen der Hand erfasst. Die tatsächliche Anzahl dürfte höher liegen, da nicht alle Kliniken die Erfassung im HTR pflegen. Besonderer Fokus liegt auf handchirurgischen Rekonstruktionen, da die Wiedererlangung der manuellen Funktionalität nach destruktiven Knochenverletzungen Voraussetzung fü̈r die Reintegration in berufliches und alltägliches Leben ist. Die autologe Tranplantation eines osteochondralen Rippenfragments ist gut beschrieben für Defektrekonstruktionen am Kahnbein. Im dargestellten Kasus wurde diese Methode zur Rekonstruktion eines Mittelhandknochens modifiziert.
Methodik: Es wird von einem rekonstruktiven Verfahren mittels Knochenknorpeltransplantat aus der Rippe eines Patienten berichtet, welcher eine drittgradige offene Fraktur des zweiten Mittelhandknochens durch eine Kreissäge erlitten hatte. In der eingeleiteten Damage Control Surgery zeigte sich eine knöcherne Destruktion bzw. der Verlust des MHK-II-Kopfes sowie eine Durchtrennung der Strecksehnen. Bei grober Kontamination erfolgte nach Debridement und Lavage die Implantation eines antibiotischen Zementspacers. Die Strecksehnen wurden primär rekonstruiert. Postoperativ erfolgten die kalkulierte erweiterte PAP und Ruhigstellung in Intrinsic-Plus-Stellung. Bei suffizienten Weichteilverhältnissen wurde nach Patientenedukation zur Nikotinkarenz die operative Rekonstruktion durchgeführt. Operativ wurde aus einer Rippe ein Knochenknorpeltransplantat entnommen, präpariert und als Ersatz des Mittelhandkopfes mittels Plattenosteosynthese fixiert.
Ergebnisse: Postoperativ zeigte sich röntgenologisch eine regelrechte Artikulation des MCP-Gelenkes bei einliegender Plattenosteosynthese. Der Patient befindet sich weiterhin in ergotherapeutischer Nachbehandlung. Das klinisch funktionelle Ergebnis wird zur DGH-Tagung präsentiert.
Schlussfolgerung: Autologe Knochenknorpeltransplantationen sind ein geeignetes Verfahren in der plastisch-rekonstruktiven Handchirurgie und gehören in das handchirurgische Portfolio auch bei Rekonstruktionen einsatzbedingter Verletzungen. Das Outcome ist neben patientenbezogenen Faktoren wie Nikotinkarenz und Compliance maßgeblich von chirurgischen Maßnahmen, insbesondere der initialen Kontaminationskontrolle und dem optimalen Rekonstruktionszeitpunkt, abhängig.



