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66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie
08.-10.10.2026
Bremen

Meeting Abstract

Versorgungsrealität der distalen Radiusfraktur in Deutschland

Stefanie Wieschollek - Schön Klinik München Harlaching, Zentrum für Handchirurgie, Mikrochirurgie und Plastische Chirurgie, München, Deutschland
Kai Megerle - Schön Klinik München Harlaching, Zentrum für Handchirurgie, Mikrochirurgie und Plastische Chirurgie, München, Deutschland

Text

Fragestellung: Die adäquate Versorgung von distalen Radiusfrakturen, insbesondere bei komplexen oder intraartikulären Frakturformen, wird kontrovers diskutiert. Die Autoren fordern, dass zumindest bei komplexen Frakturtypen ein Handchirurg hinzugezogen werden sollte, um funktionelle Langzeitkomplikationen zu minimieren. Ziel dieser bundesweiten Erhebung war es, die tatsächliche Versorgungsrealität in Deutschland zu analysieren und zu quantifizieren, in welchem Umfang komplexe distale Radiusfrakturen sowie spezialisierte Operationsverfahren (z.B. arthroskopisch gestützte Osteosynthesen) in Abteilungen ohne ausgewiesene handchirurgische Expertise behandelt werden.

Methodik: Es erfolgte eine retrospektive Querschnittsanalyse der strukturierten Qualitätsberichte (Qb-R) der deutschen Krankenhäuser. Es wurden alle stationären und ambulanten Fallzahlen zu distalen Radius- und Unterarmfrakturen der Jahre 2021 bis 2024 extrahiert. Anhand der Prozedurenschlüssel (OPS) und Diagnosen erfolgte eine Stratifizierung in „einfache“ und „komplexe“ Fälle (mehrfragmentäre winkelstabile Plattenosteosynthesen, arthroskopisch gestützte Verfahren, kombinierte Radius-/Ulnafrakturen). Anhand der Personaldaten der Kliniken wurde festgestellt, ob ein ein oder mehrere Handchirurgen Mitglieder des Teams der versorgenden Abteilung waren.

Ergebnisse: Bundesweit konnten 1.184 Krankenhäuser mit insgesamt 5.515 betroffenen Fachabteilungen in die Analyse eingeschlossen werden. Insgesamt wurden 321.389 komplexe und 391.467 einfache Fraktur-Indikatoren (kumulierte Falldokumentationen) erfasst. In lediglich 27,7% (n = 1.529) der an der Versorgung beteiligten Fachabteilungen war die handchirurgische Expertise personell hinterlegt. Die Auswertung zeigte, dass die Mehrheit der komplexen Radiusfrakturen – konkret 60,2% (n = 193.598 Fälle) – in Abteilungen ohne zertifizierten Handchirurgen versorgt wurde. Bei den einfachen Frakturen lag dieser Anteil bei 63,4% (n = 248.365 Fälle), was auf eine generelle, kaum nach Komplexität stratifizierte Versorgungsstruktur hindeutet. Nur 16 Krankenhäuser führten im untersuchten Zeitraum arthroskopisch gestützte Radiusversorgungen durch, deren Anteil lag deutlich unter 1% des Gesamtvolumens.

Schlussfolgerung: Die flächendeckende Versorgungsrealität in Deutschland zeigt eine Diskrepanz zwischen der fachlichen Forderung nach Spezialisierung und der tatsächlichen Kliniklandschaft: Über 60% der anspruchsvollen, komplexen Gelenkfrakturen werden in Abteilungen ohne ausgewiesenen Handchirurgen versorgt. Zudem spielen spezielle Techniken wie die arthroskopisch gestützte Versorgung in der Breite praktisch keine Rolle. Um die Struktur- und Ergebnisqualität bei komplexen Frakturtypen zu optimieren, sollte eine stärkere personelle Einbindung von Handchirurgen in die unfallchirurgische Regelversorgung sowie die gezieltere Zuweisung in entsprechende Zentren diskutiert werden.