Logo

66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie
08.-10.10.2026
Bremen

Meeting Abstract

Let’s Talk About Money: Deckungsbeitrag pro OP-Minute (DB/min) als Steuerungskennzahl für die ambulante Handchirurgie

Daniel Behrendt - University of Applied Science Bremen, Bremen, Deutschland; Roland Klinik Bremen, Bremen, Deutschland

Text

Fragestellung: Die OP-Planung im ambulanten Bereich steht vor einem konkreten Problem: Wer operiert, kennt den medizinischen Aufwand jedes Eingriffs – aber selten dessen wirtschaftlichen Beitrag pro eingesetzter OP-Minute. Durch den wachsenden Druck der Ambulantisierung müssen ambulante OP-Einheiten zunehmend belegen, dass sich ihr Betrieb ökonomisch trägt. Dabei fehlt ein einfaches, praxistaugliches Instrument, das dem Operateur und OP-Manager auf einen Blick zeigt, welche Eingriffe den Betrieb wirtschaftlich stützen und wo jede zusätzliche OP-Minute Geld kostet. Die vorliegende Studie entwickelt ein solches Instrument: den Deckungsbeitrag pro OP-Minute (DB/min).

Methodik:In einem monozentrischen Setting wurden für 29 ambulante handchirurgische Eingriffe Erlöse (EBM-Abrechnung, Punktwert: 12,3934 Cent), variable Kosten (Personal, Material, Sterilisation) und OP-Zeiten (Schnitt-Naht-Zeit + Wechselzeit) aus dem gesamten Versorgungsjahr 2024 erhoben. Aus der Differenz von Erlös und Kosten, normiert auf die Gesamt-OP-Zeit, ergibt sich die DB/min – eine Kennzahl, die zeigt, wie viel Euro Deckungsbeitrag jede Minute im OP erwirtschaftet wird. Ergänzend wurden Korrelationsanalysen durchgeführt, um die tatsächlichen Einflussfaktoren auf die Wirtschaftlichkeit zu identifizieren.

Ergebnisse: Die Ergebnisse sind für die OP-Planung unmittelbar relevant: Die DB/min Werte variieren um den Faktor 24 – von 0,59€/min bei Arthrodesen bis 14,28€/min beiarthroskopischen Eingriffen. Konkret bedeutet das: Ein OP-Saal, der einen Tag mit Arthroskopien plant, erwirtschaftet rund 6.850€ Deckungsbeitrag; derselbe Saal, belegt mit Routineeingriffen wie Karpaltunnelspaltungen, erreicht nur etwa 1.500€. 69% der untersuchten Eingriffe fallen in die niedrigprofitable Kategorie (<4€/min) – darunter genau die Routineeingriffe, die in vielen ambulanten OPs den Alltag dominieren: Karpaltunnel (3,33€/min) und Schnappfinger (1,19€/min). Die Korrelationsanalyse liefert ein überraschendes Ergebnis: Nicht die OP-Dauer bestimmt die Wirtschaftlichkeit (r=−0,09), sondern der Erlös (r=0,86). Schneller operieren verbessert die DB/min kaum – entscheidend ist, welcher Eingriff wie häufig auf dem Plan steht.

Schlussfolgerung: Die DB/min liefert dem OP-Team eine einfache, sofort anwendbare Kennzahl für die mittelfristige Planung der OP Tage und Allokation von OP Slots und beantwortet die Frage: Welche Eingriffskombination holt das Maximum aus dem verfügbaren OP Tag? Die Methodik erfordert keine spezielle Software – eine strukturierte Tabellenkalkulation reicht für den Einstieg. Da die Berechnungslogik vergütungsunabhängig ist, lässt sie sich direkt auf (Hybrid-) DRG-Erlöse, GOÄ- und Unfall-GOÄ-Abrechnungen oder gemischte Portfolios übertragen. Die Studie zeigt: Wirtschaftliches Operieren beginnt nicht mit Sparmaßnahmen oder höherer OP-Geschwindigkeit, sondern mit Transparenz darüber, was jede OP-Minute tatsächlich wert ist.