Logo

66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie
08.-10.10.2026
Bremen

Meeting Abstract

Kosteneffiziente Versorgung distaler Radiusfrakturen

Steffen Löw - Praxis für Handchirurgie und Unfallchirurgie, Bad Mergentheim, Deutschland
Sebastian Kiesel - Praxis für Handchirurgie und Unfallchirurgie, Bad Mergentheim, Deutschland

Text

Fragestellung: Zunehmender Kostendruck im Gesundheitswesen, knapper werdende Personalressourcen und zuletzt die Eingliederung distaler Radiusfrakturen in die Abrechnung als Hybrid-DRGs erfordern Anpassungen in der Effizienz der Versorgung dieser häufigen Verletzung.

Methodik: Anhand eines konkreten Falles einer dorsal dislozierten distalen Radiusfraktur wird der gesamte Behandlungsablauf, beginnend von der Erstbehandlung, über die Operation selbst bis hin zur Nachbehandlung hinsichtlich Patientenkomfort und (Kosten-)Effizienz beleuchtet. Dabei wird vorhandene Literatur in die Betrachtung mit einbezogen.

Ergebnisse: Im Rahmen der Erstbehandlung ist bei fehlenden Sensibilitätsstörungen eine geschlossene Reposition oft entbehrlich und zur Schmerzlinderung allein eine Gipsanlage ausreichend. Röntgen und Gipsanlage sind dabei nur abrechenbar, sofern die Operation nicht gleich am selben Tag erfolgt. Die Operation kann bei entsprechender Erfahrung in WALANT-Technik durchgeführt werden. Erheblich verminderte Personalkosten und Vorteile im Timing der Operation können im stationären Setting die Folge sein. Dies trifft ungleich mehr für den ambulanten Bereich zu, insbesondere wenn der Operationsbereich vom Chirurgen betrieben wird. Die Operation geht dabei mit hohem Patientenkomfort einher, ohne dass sich die postoperative Schmerzhaftigkeit erhöht. Unabhängig von der Art der Anästhesie sollte die Operation mit einem hohen Grad an Standardisierung durchgeführt werden, da sich dadurch der Operationsablauf beschleunigt und die Repositionsqualität erhöht. Die Industrie hält bereits jetzt ein breites Portfolio von Radiusplatten vor. Ohne die Behandlungsqualität zu vermindern, ist je nach Frakturtyp oft die Verwendung eines günstigen Platten-Systems möglich. Das Operationsinstrumentarium ist oft unnötig umfangreich und kann ggf. erheblich reduziert werden. Dadurch vermindern sich Folgekosten bei der Steilgutaufbereitung durch geringere Personalkosten beim Packen des Instrumentariums und Verminderung des Aufwandes bei der maschinellen Aufbereitung. Aufwändige Abdeckungen des sterilen Feldes können ggf. reduziert werden, wodurch die Materialkosten selbst, aber auch Folgekosten bei der Entsorgung vermindert werden können. Wo gerechtfertigt wird der die Hybrid-DRG triggernde Prozedurenschlüssel (OPS) 5-794.k6 um ein Debridement am Radius (OPS=5-780.66) ergänzt, wodurch sich eine Steigerung in die höhere DRG I31N ergibt. Rechtfertigende Szenarien könnten ältere Frakturen sein, bei denen Kallus debridiert werden muss, oder auch komplex intra-artikuläre Frakturen, die arthroskopisch-kontrolliert reponiert werden und bei denen Hämarthros und Frakturspalte debridiert werden. Der präoperativ angelegte Gips kann bis zur Hautfädenentfernung getragen werden. Weißgips ist verglichen mit Soft-Cast-Verbänden günstiger und kann einfacher korrigiert werden.

Schlussfolgerung: Im Verlauf der Behandlung distaler Radiusfrakturen besteht erhebliches Potenzial, Material und Personal einzusparen und damit die (Kosten-)Effizienz zu steigern.