66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Postoperative Komplikationsraten nach Regional- versus Allgemeinanästhesie in der Handchirurgie: Eine Retrospektive Analyse von 69.301 Patienten
Text
Fragestellung: Die Wahl des Anästhesieverfahrens stellt einen potenziell modifizierbaren Einflussfaktor auf perioperative Risiken in der Handchirurgie dar. Ziel dieser Studie war es, postoperative Komplikationen nach handchirurgischen Eingriffen unter Allgemein- versus Regionalanästhesie in einer großen Kohorte zu vergleichen.
Methodik: Es erfolgte eine retrospektive Kohortenstudie basierend auf dem American College of Surgeons NSQIP-Register (2008–2023). Eingeschlossen wurden 69.301 erwachsene Patientinnen und Patienten mit handchirurgischen Eingriffen. Der primäre Endpunkt war das Auftreten von 30-Tage-Komplikationen (gesamt, chirurgisch, medizinisch). Sekundäre Endpunkte umfassten Verweildauer und Entlassungsziel. Gruppenvergleiche erfolgten mittels t-Tests und Chi-Quadrat-Tests. Multivariable logistische Regressionsmodelle wurden zur Adjustierung für demographische und klinische Kovariablen verwendet.
Ergebnisse: Patienten unter Regionalanästhesie waren durchschnittlich älter (56,9 vs. 52,4 Jahre, p<0,001) und wiesen eine höhere Komorbiditätslast auf (z.B. Hypertonie 33,7% vs. 28,6%, p<0,001). Die Gesamtkomplikationsrate war niedrig (2,5%). Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied hinsichtlich jeglicher Komplikationen zwischen Regional- und Allgemeinanästhesie (2,1% vs. 2,5%, p=0,10). Chirurgische Komplikationen traten unter Regionalanästhesie seltener auf (1,3% vs. 1,8%, p=0,02), während medizinische Komplikationen vergleichbar waren. Die Verweildauer war unter Regionalanästhesie signifikant kürzer (0,31 vs. 0,46 Tage, p<0,001). In der multivariablen Analyse zeigte sich kein unabhängiger Zusammenhang zwischen Anästhesieverfahren und Komplikationen (OR 0,92; p=0,35).
Schlussfolgerung: Die Regionalanästhesie ist in der Handchirurgie ein sicheres Verfahren und führt trotz höherer Risikoprofile nicht zu erhöhten Komplikationsraten. Gleichzeitig ist sie mit einer kürzeren Verweildauer assoziiert. Diese Ergebnisse sprechen für einen breiteren Einsatz der Regionalanästhesie, insbesondere bei älteren und komorbiden Patientinnen und Patienten.



